Europa und Afrika, Atlantik und Mittelmeer
Zwischen Portugal und Spanien
Guadiana, 09.09.2009
Neue Pläne
Beim Ankern vor Culatra haben wir neue Pläne geschmiedet. Wollten wir ursprünglich von der Algarve gleich zu den Kanarischen Inseln, überlegten wir uns, dass es noch schön wäre, den Fluß Guadiana hoch zu fahren, vielleicht noch Cadiz zu besuchen, die Einfahrt zur Straße von Gibraltar zu sehen und dann ist da auch gleich Afrika… schließlich wollen wir erst Mitte Oktober auf den Kanarischen Inseln sein! Also machten wir uns erst einmal auf zum Guadiana.
Riverboat
Unseren Segeltörn westwärts an der Küste entlang hatten wir so getimet, dass wir am frühen Nachmittag an der Mündung des Guadiana eintrafen. Kurz vor Hochwasser liefen wir ein und der Strom schob uns in den Fluss, der die Grenze zwischen Portugal und Spanien bildet. Ab jetzt hießen die Kommandos nicht mehr „back- und steuerbord“, sondern „Portugal und Spanien“. So manövrierten wir durch die Untiefen der Mündung, unterquerten knapp eine Brücke mit gefühlten zwei Zentimeter Luft zwischen Mastspitze und Fahrbahnunterkante (es war wohl gut ein Meter). Dann war der Fluss tief genug und wir wechselten von der Seekarte auf den Autoatlas!
Links und rechts schoben sich die Berge auf. Verdörrte braune Landstriche, vereinzelt unterbrochen mit Schilf bewachsenen Wasserflüssen und rastenden Störchen. Verlassene, zu Ruinen zerfallenen Katen, auch mal ein bewohntes Gehöft. Oliven- und Pinienplantagen, ein Schäfer mit seiner staubummantelten Herde. Als Riverboat segelte die EDEN den Fluss hinauf, mit schiebendem Wind und schiebendem Strom. Als dieser dann mit der Ebbe kippte, warfen wir den Anker in einer Flusskurve und erlebten Natur pur. Kein Boot weit und breit, keine menschlichen Geräusche. Das Bambusschilf rauschte, die Vögel piepten – welch ein Luxus nach der motorisierten Algarve!
Schlafen unter Sternenhimmel auf dem Vorschiff, morgens Verwöhn-Kur wie im Kosmetikstudio, Brötchenbacken, Treibgut-hinterhergucken… Dann kippte der Strom (wird durch die Gezeiten des Atlantiks hervorgerufen und ist bis 140 km flussaufwärts spürbar) wieder und wir ließen uns weiter ins Land schieben.
Grenzgänger
Hinter einer Flussbiegung tauchten Masten, dann die dazugehörigen ankernden Boote, dann weiße Häuser an beiden Ufern auf: Alcoutim links in Portugal und Sanlúcar rechts in Spanien. Wir ließen den Anker genau dazwischen fallen. Wohin zuerst? Spanien, weil dort die Festung höher liegt!
In der Abendsonne, bei noch immer schweißtreibenden Temperaturen bestiegen wir den Festungsberg und wurden mit einem Blick auf die andalusische Berglandschaft belohnt. Zu unseren Füßen die beiden Uferstädtchen und unsere ankernde EDEN. Plötzlich stob ein Blitz vom Himmel – Gewitter über den Bergen. Hoffnungsvoll hingen unsere Blicke an den dicken Wolken, doch von erfrischendem Regen keine Spur.
Am nächsten Morgen setzten wir nach Portugal über. Gässchen führten hinauf zur dortigen Festung.
Hier erfuhren wir, dass schon vor 5000 Jahren Menschen an diesem Ort siedelten, schon immer Burgen, Festungen diesseits und jenseits des Flusses standen, schon Römer und Mauren ihre Stellungen verteidigten. Auch wenn heute beide Städtchen durch EU-Finanzen weiß und sauber blitzen, ist der Guadiana noch immer eine Grenze, an der sogar die Uhren anders ticken! Vom einen Kirchlein läutet es morgens sieben Mal, vom Kirchlein am anderen Ufer acht Mal… Etwas verwirrt schauten wir uns an, bis wir endlich darauf kamen: In Spanien ist es eine Stunde später!
Alcoutim, 12.9.2009
„Ein letztes Paradies“
…so lesen wir in einer Anleitung eines deutschen Seglers zur Befahrung des Guadianas und so sehen es wohl auch die vielen hier Hängengebliebenen, die sich eine verlassene Kate hergerichtet haben oder auf ihren im Fluss ankernden Booten wohnen. (Einige ankern schon so viele Jahre an einer Stelle, dass sie in der Beschreibung erwährt werden. wie eine zu umfahrende Untiefe.)
Granatäpfel, Quitten, Feigen hängen bis über den Fluss, die überreifen Früchte fallen einfach ins Wasser. Wir setzten uns in unser Schlauchboot und paddelten am Ufer entlang, pflückten die schönsten der Paradiesfrüchte, bestaunten den wilden blühenden Oleander zwischen riesigem Bambus, kleine Ufergärtchen mit Wein, Mais und Kartoffeln. An der Wurzel einer uralten Platane, in deren Krone Kanarienvögel huschelten, machten wir unser Schlauchboot fest und liefen zwischen Oliven- und Mandelbäumen, Korkeichen umher. In der Nähe entdeckten wir einen Nebenarm des Flusses, der zur Erkundung geradezu einlud. Langsam fuhren wir den immer schmaler werdenden trüben Wasserlauf hinauf, der plötzlich durch aufgeschichtete Steine abgesperrt wurde. Oleander, Binsen, Kräuter hatten sich auf diesem bröckelnden Staudamm angesiedelt. Zwitschernde Vögel und schwebende Libellen belebten diese Oase, in der Stille platsche ab und an ein Fisch aus dem Wasser, dessen Spiegel ansonsten nur durch Wasserläufer zerteilt wurde.
Wieder an Bord der EDEN genossen wir die Paradiesfrüchte. Wir aßen Granatäpfel, kochten Quittengelee und breiteten den verbliebenen Quittenbrei auf Blechen zum Trocknen in der Sonne aus. Irgendwann, wenn wir das Gelee zum Frühstück, die Quittensterne während einer Nachtwache naschen, werden wir an das Guadiana-Paradies denken.
Abschied mit Kanonendonner
In das verträumte 400-Seelen-Städtchen auf der portugiesischen Uferseite kam Bewegung. Morgens um Neun brummten die Rasenmäher, um ein Stückchen Wiese zu stutzen, die Feuerwehr sprühte die Uferpromenade sauber, Dutzende Zapfanlagen standen plötzlich aufgereiht, Buden, Bühnen sprießten aus dem Boden. Alcoutim bereitete sich auf seine viertägige Fiesta vor, zu dem Besucher gar aus Porto, Lisabon und Spanien erwartet wurden. Obwohl wir eigentlich schon längst unseren Anker lichten wollten, waren wir uns einig: Die Fiesta müssen wir noch mitnehmen! Zwei Tage gehörten noch den Einwohnern, am Freitag war der Ort nicht wieder zu erkennen. Wo sonst am Abend die Alten vor ihren Häusern saßen, tummelten sich Hunderte von Menschen. Auf zwei Bühnen mit gigantischen Licht- und Tontechnik lösten sich die Bands ab – offensichtlich portugiesische Musiker der Spitzeklasse. Vorrangig junge Leute waren angereist, sangen alle Songs mit und jubelten den Akteuren zu. Mitternacht wurde der Bühnenbetrieb kurzzeitig unterbrochen, alle strömten zum Ufer und mitten auf dem Fluss zündete die örtliche Feuerwehr ein atemberaubendes Feuerwerk. Die Party ging bis früh um Acht. Halb Neun zogen wir den Anker. Hinter uns dröhnten Kanoneschüsse durch die Berge… Weckruf für den nächsten Fiestatag.
Ayamonte / Guadiana-Mündung, 14.09.2009
Auf Entdeckungstour an der Flussmündung
Mit dem Strom glitten wir die 35 Kilometer von Alcoutim und Sanlúcar zurück zur Mündung des Guadiana. Dort ankerten wir vor der spanischen Stadt Ayamonte, in der Nähe eines Supermarktes, um die Bordreserven aufzufüllen. Käpt´ns Blick ging aber auf die portugiesische Seite: Hinter flachem Grasland türmten sich zwei Berge mit jeweils einer Festung. Entdecker-Leuchten in den Augen des Käpt´ns und schon saß er im Schlauchboot und riss den Motor an. Bei Hochwasser tuckerten wir in den Flussarm mit der Hoffnung, dass dieser während unserer Expedition nicht trocken fällt und uns den Rückzug abschneidet. Immer den Blick auf die Festungen gerichtet, verloren wir uns in immer schmaleren Rinnsalen. Hinter einer Biegung erblickten wir zunächst ein quer gespanntes Fischernetz, dann den dazugehörigen Fischer, der im trüben Wasser stehend, sein Netz leerte. Als er uns wahrnahm, zeigte er uns strahlend seinen Fang. Mehrere große Fische zappelten in seinem Netz. Winkend wendeten wir unser Schlauchboot und suchten weiter den Wasserweg zur Festung. Endlich erblickten wir einen Steg, von dem eine schmale Pflasterstraße zu unserem Ziel führte. Wir landeten in Catro Marin, einem kleinen Ort, der sich zwischen die beiden Festungen schmiegt.
Von einer der Festungen hatten wir einen phantastischen Ausblick auf Guadiana, auf die Landschaft der Algarve und auf die Salzwiesen, durch die wir uns mit dem Schlauchboot geschlängelt hatten. In natürlichen Tümpeln glitzerte das Salz. Und daneben waren ganze Salzbecken angelegt, in die das Wasser einströmen kann. Mit abgesperrtem Zufluss verdunstet das Wasser und das Salz bleibt zurück. Am Rande des Gebietes entdeckten wir einen riesigen weißen Salzberg.
Unsere Hoffnung wurde nicht enttäuscht, wir konnten trotz Niedrigwasser wieder gut zum Guadiana zurücktuckern und dabei die Vogelwelt der Salzwelt beobachten: Fischreiher, Möwen mit ganz langen Beinen zum Stehen in den Tümpeln, Bachstelzen, Langschnäbler. Über uns zog ein ganzer Schwarm Störche Richtung Süden…
Andalusien
Cadiz, 17.09.2009
Wie die Störche zog es auch uns weiter nach Süden. Nachdem wir noch ein letztes Mal auf der portugiesischen Seite des Flusses in Vila Real de Santo Antonio flanieren waren, ließen wir uns von der Morgentide um 4 Uhr aus dem Guadiana spülen. Im Dunkeln konnten wir dutzende von Lichtern um uns her ausmachen – Fischerboote auf Fang. Im Morgengrauen brachte der Käpt´n auch unsere Angel raus… wahrscheinlich hatten die Fischlein irre Spaß an dem kunterbunten Kram, den wir hinterher schleiften, aber reinbeißen mochte keiner. Dafür verhedderte sich die Angelschnur bei einem Segelmanöver, der Skipper sprang mutig in die Meereswogen und befreite das Ruder. Nur leider hatten sich die kleinen lustigen Wabbel-Tintenfische bereits in die Freiheit abgesetzt und nur das große Bleigewicht erschien beim Einholen der Angel…
Bei Sonnenschein und dem richtigen Segelwind überquerten wir den Golf von Cadiz und liefen am Nachmittag in der Marina der Stadt ein. Nachdem wir so lange geankert hatten, war es schon ein komisches Gefühl, in einer Box anzulegen, ausreichend Strom und Wasser an Bord zu haben. Allerdings hatte dieser Luxus auch seinen Preis – in der Stadt, so erfuhren wir später, ist dafür ein Doppelzimmer mit Frühstück zu bekommen!
Eine Stadt zum Verlaufen schön
In den engen, schattigen Gassen wehte ein kühler Lufthauch, Einheimische wie Touristen flanierten an kleinen Läden und Boutiquen vorbei, blieben vor Schaufenstern oder auf ein Schwätzchen stehen. Im Gassenlabyrinth fanden sich immer kleine Plätze mit Sonnenschirmen, unter denen Tische und Stühle zum Verweilen einluden. Wir verliefen uns und kamen doch immer zufällig an einem der Sehenswürdigkeiten raus. Viele der Gebäude stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, doch gilt Cadiz als älteste Stadt Europas. Ganz besonders gut gefiel es uns am Abend, als die Laternen angingen, die schweren Gitter vor den Läden runterrasselten und eine gemächliche Ruhe einzog.
Dann war vor allem Friedrich seelig, da er keinen Laden im Schlepptau von Claudia betreten musste. Letztere hätte für den Stadtbummel lieber eine Freundin an ihrer Seite gehabt… Am letzten Abend liefen wir auf dem Rückweg an einem Restaurant vorbei, an dem ein Poster für Flamenco warb. Gerade als wir den Laden betraten, begann eine ehrwürdige Senora mit dem Gesang, begleitet von einem feurigen Gitarristen und zwei weiteren jungen Leuten, die den Rhythmus klatschten. Das Temperament der vier war mitreißend und als die Senora noch ihre goldenen Highheels abstreifte und zu ihrem Gesang mit den Füßen stampfte, die Hüfte schwang, mit ihrem Kleid wedelte und mit wehenden Haaren in die Lüfte sprang, waren wir hellauf begeistert. Das war Andalusien live!
Tarife, 20.9.2009
Ein kurzer Segeltrip rund um die Halbinsel der Stadt Cadiz und unser nächster Ankerplatz lag vor uns: Sancti Petri. Ein Ort, der schon in der Antike eine große Rolle spielte und wo gar Hannibal vor seiner Italienreise um Gottes Hilfe bat. Wir steuerten um das baufällige Kastell auf der vor gelagerten Insel (gerade mit zahlreichen Kränen zum Neuaufbau bestückt) und tasten uns in die hinter einer mächtigen Düne liegenden Lagune mit hunderten von ankernden Angelboten. Nicht ganz einfach für uns, eine geeignete Ankerstelle zu finden, an der wir auch bei Niedrigwasser (Tidenhub beträgt hier über 3 m) nicht auf dem Trockenen lagen. Dennoch, als mitten in der Nacht der Strom kippte und sich auch noch der Wind drehte, alle Boote an ihren Ankerleinen die Richtung wechselten, lagen wir nur noch einen guten Meter vor dem Bug eines Nachbarn. Damit war die Nachtruhe vorbei. Der Käpt´n brachte einen zweiten Anker aus und schob dann Ankerwache. Am nächsten Vormittag setzten wir über zur einsamen Sanddüne. Das Schlauchboot schleppten wir viele Meter den Strand hoch, damit es sich bei auflaufenden Wasser nicht selbständig machte. Während Friedrich volle Freude daran fand, sich die Dünen runterkullern zu lassen, sammelte Claudia hundert Muscheln, die sie auf ein Strandgutseil auffädelte. Der an Land liegende Ort, in unseren Segelbüchern als „ghost-town“ beschrieben, entpuppte sich auch als solcher. Die ehemalige Tunfischersiedlung liegt verlassen, wir fanden eine kleine Hafenbar und kriegen dort ein Glas schönen gekühlten Weißwein. Eigentlich lockte die Stille dieser Lagune zum längeren Verweilen, doch schon hieß der Befehl des Käpt´ns: Anker hoch!
Das muss Afrika sein!
Entlang der andalusischen Küste segelnd, erblickten wir genau um 15.47 Uhr Land vor uns. Erst ein Blick in die Karte überzeugte uns, dass es sich tatsächlich um Afrika handelte. A f r i k a – einfach unglaublich! Plötzlich veränderte sich das Wellenmuster. Noch eben in eine Richtung geschoben, liefen sie alle durcheinander, aufeinander zu und Wellenköpfe stiegen nach oben. Uns erinnerten sie an die Kicherwellen aus dem Käpt´n Blaubär-Film. Wir waren an der Einfahrt zur Straße von Gibraltar und es zog uns regelrecht hinein. Doch wir ließen den Anker hinter der Mole von Tarifa fallen und waren damit in der südlichsten europäischen Stadt angekommen.
Atlantik-Tor
Dass Tarifa immer schon ein wichtiger strategischer Punkt war, davon zeugen gleich zwei Trutzburgen der Stadt. Eine davon ist auch jetzt noch militärisch genutzt, die andere, das Castello von Guzmán del Bueno konnten wir besichtigen. Alles wirkte ein bisschen verfallen, die neben den Dixi-Häuschen abgestellte Kanone nutzte die Putzfrau zum Trockenen ihrer Lappen. Von den Wehrgängen aber hatten wir einen wunderbaren Ausblick auf den Hafen, die Meeresenge und die marokkanischen Berge. Auf der anderen Seite schauten wir hinunter auf die weißen Häuser von Tarifa, deren Altstadt von einem hohen maurischen Wall umgeben ist. Später betraten wir durch ein Stadttor die engen Gassen, in denen jetzt in der Nachsaison nur wenige Touristen bummelten. Trotzdem war es uns bei dem Stadtrundgang ziemlich warm geworden und so lockte das glasklare Wasser am Ankerplatz den Skipper. Abtauchen, Schrei und Sprung an Bord waren eins! Das gleich darauf ins Wasser gelassene Badefischchen zeigte eine Temperatur von 15 °C!
Straße von Gibraltar
Schuld an dem misslungenen Badevergnügen war die starke Strömung vom Atlantik ins Mittelmeer. Das dort verdunstende Wasser wird durch den Atlantik permanent aufgefüllt. Dieser Verdunstungsprozess ist auch die Ursache dafür, dass das Mittelmeer viel salziger ist als der Atlantik.
Die Strömungen mit ihren Wasserumwälzungen begünstigen das Meeresleben und so sind auch viele verschiedenen Arten von Walen und Delfinen anzutreffen. Selbst in den Seekarten wird ausdrücklich gefordert, scharf Ausschau zu halten, um Kollisionen mit Walen zu vermeiden. Für die, wie auf einer Autobahn fahrenden Ozeanriesen gilt sogar eine Geschwindigkeitsbegrenzung.
La Linea, 21.09.2009
Gibraltar - schwer zu entern
Wir nutzen den Strom, verstärkt durch die Tide, um an der andalusischen Küste die 15 Seemeilen bis Gibraltar zu segeln. Schnell hatten wir den gigantischen Felsen vor uns. In der danebenliegenden Bucht schlängelten wir uns zwischen ankernden Containerschiffen und Tankern zur Hafeneinfahrt von Gibraltar. Doch beide Marinas waren voll. Nur ein Tankwart winkte uns an seinen Kai, wo wir gleich mal zollfrei tankten. Dann fuhren wir um die ins Meer gebaute Flugzeugpiste herum wieder in spanisches Hoheitsgebiet und ließen dort den Anker fallen. Am nächsten Morgen tuckerten wir dann mit dem Schlauchboot nach Gibraltar und wurden umgehend zurück geschickt, ohne auch nur Land betreten zu dürfen. Da hatten wir am Vortag offensichtlich völlig illegal getankt..? Zu Fuß gelang uns dann endlich die offizielle Einreise. Durch ein Tränenpalast ähnliches Gebäude, vorbei an schnüffelnden Zollhunden standen wir geradewegs vor einer roten englischen Telefonzelle. Das schien aber, neben dem Pfund als Zahlungsmittel fast das einzig britische zu sein. Architektur und Lebensgefühl sind eher spanisch geprägt, selbst der Verkehr läuft rechts und Mütter wechseln beim Schimpfen mit ihren Sprösslingen zwischen englisch und spanisch mitten im Satz.
Auf dem Affenfelsen
Nach einer sechsminütigen Seilbahnfahrt standen wir hoch oben auf dem Grat des Gibraltarmassivs. Schon in der Basisstation wurde darauf hingewiesen, dass die Affen aggressiv seien und raschelnde Plastiktüten mit Leckerlies verbinden. Auch unsere Tante Eva hatte gewarnt: Haltet Handtaschen und Hüte fest! Als wir nichts ahnend aus der Kabine stiegen – huch!, saß da gleich in Augenhöhe ein Affe auf dem Treppengeländer. Während Friedrich sofort auf die Aussichtsplattform stürzte, holte Claudia in gebührendem Abstand die Kamera aus dem Rucksack, um ihren Friedrich zu knipsen. Just in diesem Moment ruckte es am Rucksack und ihr Blick über die Schulter ließ sie in zwei Affenaugen schauen! Der Affenarm steckte tief zwischen dem noch offenen Reißverschluss, doch als der Affe das Fach leer fand, riss er am ganzen Rucksack. Derweilen bewunderte Friedrich den Blick auf das Mittelmeer, hörte wohl auch einen spitzen Schrei – aber erst als er panisch seinen Namen vernahm, drehte er sich um und begriff, dass seine Claudia mit einem Affen kämpfte. Doch bis er reagierte, hatte diese den Kampf für sich entschieden! Der Affe kehrte seelenruhig auf seinen Treppenpfosten zurück und die umstehenden Touries schauten sehr ergriffen! Tante Eva hatte doch recht!
Alle anderen Affen und Äffchen passierten wir in reichlichem Abstand, wanderten den Berggrat bis zu seiner südlichsten Spitze und fanden dort einen kleinen Wanderpfad. Warum sollten wir nicht eben mal schauen, wo es hingeht? Über in Felsen gehauene Treppen, steinige Pfade, einen in den Fels geschlagenen Tunnel kletterten wir in Affenhitze auf der Mittelmeerseite von Gibraltar – und das ohne einen Schluck Wasser dabei. Dafür trug Friedrich unseren Laptop auf dem Rücken, denn eigentlich wollten wir in Gibraltar doch nur Affen und Internet besuchen… Irgendwann erreichten wir wieder die Zivilisation samt Internetcafé, löschen unseren Durst mit dem wohl teuersten Bier dieser Reise und staunten über die vielen Läden mit zollfreien Waren.