Irland



Nordirland

 

Glenarm, 17.07.2009

„Welcome, I´m Keith…
...we have one church and two pubs” (Willkommen, ich heiße Keith… wir haben hier eine Kirche und zwei Pubs) Der Hafenmeister von Glenarm schüttelte Claudia zur Begrüßung die Hand, nachdem er und ein paar andere Segler die Leinen der EDEN fachgerecht festgemacht hatten. Offensichtlich hatten uns alle schon bei der Ansteuerung beobachtet. Schließlich ist ja nicht jeder bei Windstärke 8 unterwegs. Die hatte die schottische Küstenwacht vorhergesagt und nach den vielen Tagen ohne Wind hatten wir die Chance für die Überfahrt nach Irland genutzt. Da er aus achterlicher bis raumer Richtung kam, genauso wie der Gezeitenstrom, konnten wir trotz hoher Atlantikdünung die Passage ab Mull of Kentyre durch den North Chanal gut meistern. Das Land leuchtete uns schon grün entgegen… wir waren gespannt auf Irland!

Hafenmeister Keith brachte Friedrich mit seinem MX 5 gleich zum Bankautomaten im nächsten Dorf und machte auf dem Rückweg noch eine Dorfrundfahrt: Neben Kirche und Pubs gibt es hier ein Schloss, samt Park…


 

Carrickfergus, 20.07.2009

Grandioser Empfang auf der grünen Insel
Unser Empfang in Nordirland war einfach toll. Auch die zweite Hafenmeister-Schicht in Glenarm las uns alle Wünsche von den Augen ab. Wir durften sofort die Internetkabel des Hafenmeisterbüros in unseren Laptop stöpseln und hatten die beste Verbindung seit langem. Selbst die bisher unzustellbaren Foto-Mails kamen an – welche Freude, unseren Garten Eden in voller Blüte zu sehen!!!

Es war Samstagabend und in einem der zwei Pubs Live Music angekündigt. Wir erschienen pünktlich um 9 Uhr – die Musiker erst um 10 Uhr. Schnell bauten sie ihre Instrumente auf und heizten dann ein. Zwischendurch fragte ein Pub-Gast Friedrich nach seinem Wohlbefinden, andere erklärten, wer ihre anwesenden Familienangehörigen seien und in der Pause kam einer der Musiker an unseren Tisch und machte einen Schwatz mit uns.

Eigentlich heißt es unter Seglern: „Niemand wartet auf dich, wo auch immer du anlegst.“ Wir hatten fast den Eindruck, erwartet zu werden…

 

„Belfast“

Mit diesem Song von Friedrich´s Ebenbild Elton John (jedenfalls bei der Brillenauswahl) liefen wir in die Bucht von Belfast ein und wollten eigentlich gleich nach Holywood durchrauschen. Doch das Ankerfeld vor diesem reizenden Vorort war hoffnungslos dem Schwell ausgesetzt, also tuckerten wir zum gegenüberliegenden Ort Carrickfergus. Hier in der Landabdeckung konnten wir einen fast windstillen Platz finden. Direkt in der City von Belfast gibt es keine Möglichkeit, mit dem Segelboot anzulegen. So starteten wir von dem altertümlichen und überaus liebevoll umsorgten Bahnhof von Carrickfergus nach Belfast.

 

Stadt der friedlichen Baustellen

Die gesamte Silhouette von Belfast wurde durch Kräne überragt. Überall wird gebaut – ob direkt in der City die „Waterfront-Line“ oder bei den Docks das „Titanic-Quater“. Auffällig die riesigen Glas-Fassaden – offensichtlich als Zeichen, dass die Zeit der Bomben vorbei ist. Und als Gegensatz zu den undurchdringlichen Stacheldrahtmauern der durch die Konfessionen kontrollierten Communities in den Wohngebieten, die gleich an die Innenstadt angrenzen. Noch stehen die Mauern, zu kurz ist die Zeit des Friedensprozesses. Erst 2005 schwor die IRA dem bewaffneten Kampf ab und 2007 setzten sich die Verfechter der protestantischen Vorherrschaft mit den republikanischen Katholiken an einen Tisch, bildeten eine Allparteienregierung und riefen die Zeit des Friedens aus.  Dennoch prangen an den Fassaden des Shankill-Wohngebietes handgemalte Heldenbilder – von Che Guevarra bis zu den bewaffneten „Märtyrern“. Übrigens haben wir noch nie so viele Überwachungskameras wie in Belfast und auch Carrickfergus gesehen - offensichtlich will man Gewalt mit allen Mitteln vorbeugen. Dennoch gefiel uns die Atmosphäre in der Stadt und die Leute waren überaus nett und hilfsbereit uns gegenüber.

Wir wollten aber unbedingt noch eine Baustelle ansehen. Die, in der einst die legendäre „TITANIC“ gebaut wurde. Hier in der Werft von H&W verließ sie 1911 das Trockendock zum weiteren Ausbau und ging dann 1915 auf ihre unverheißungsvolle Jungfernfahrt. An Bord auch viele Iren – für sie wurde an der City Hall ein Denkmal errichtet, gleich neben Königin Victoria.

Auch wenn letztere nur vier Stunden in Belfast zur Eröffnung der Universität weilte, heißt hier alles irgendwie Victoria (von der Straße, über Einkaufscenter bis zum Pub) – was wäre, so fragte ein Stadtführer, wenn sie eine Woche geblieben wäre?

Nicht im Victorianischen Pub lassen wir uns am Ende unseres Rundganges durch die quirlige Stadt nieder(auch um einen heftigen Schauer zu entgehen), sondern im „Drews“ und genießen ein Guinness – was sonst!

 

Republik Irland

 

Carlingford, 23.07.2009

Zwischen den Ufern
Am späten Nachmittag verließen wir das nordirische Carrickfergus – übrigens Geburtsstadt des 7. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Unser Törnziel: die Republik Irland. Doch so ganz einfach war sie dann doch nicht erreichbar. Eigentlich sollte laut Wettervorhersage der Wind am frühen Abend seinen Höhepunkt mit Stärke 7 erreichen und dann auf die für uns angenehme West- Richtung drehen und abnehmen. Sollte…, er tat es aber erst in den frühen Morgenstunden. Und so kämpfte unsere EDEN gegen die sich durch den Gegenstrom bildenden hackligen Wellen. Mal tauchte der Bug tief in die Welle, um dann herauszupreschen und sich mit einer Riesengischt in die nächste zu werfen. War ein toller Anblick für die Augen – kein tolles Gefühl für Claudias Magen. Heldenhaft meisterte der Käpt´n die nächtliche Regen-Fahrt durch die Irische See und nach der Winddrehung bei Sonnenaufgang hatte er auch wieder Crew-Unterstützung, um in die geschützte Grenzbucht einzulaufen. Mit der Grünweißorange-Gastlandflagge warfen wir den Anker am irischen Ufer, vor Carlingford. Die uns umgebenden irischen und nordirischen grünen Hügel waren in dicke Regenwolken verpackt. Schauer ließen das Städtchen am Ende der Bucht komplett verschwinden. Gleich darauf bauschige Schönwetterwolken mit warmem Sonnenschein, die mit einer Windböe wieder in undurchdringlichen Regen übergingen, mittendrin die herrlichsten Regenbogen - vom irischen zum nordirischen Ufer. Zeit, Schlaf nach zu holen, das Bootinnenleben nach der nassen Schütteltour aufzuklaren und das Haarstudio auf dem Vorschiff zu eröffnen: der Käpt´n wünschte sich einen neuen Kurzhaarschnitt – Irish Cut!


Howth/Dublin, 24.07.2009

 

Wetter im Minuten-Takt

Eigentlich konnten wir uns bisher nicht vorstellen, wie so typisches schottisch-irisches Wetter sein soll. Wir hatten ja fast immer Sonnenschein. Doch nun erlebten wir es! Auch beim Segeln. Fast im Minutentakt hieß es Segel reffen, Segel wieder raus, Segel dicht holen, Segel fieren, Segel ganz weg, Motor an, Segel wieder raus und das ganze Programm von vorn. Die Wolkengebilde am Himmel aber waren faszinierend! Endlich erreichten wir den HYC – Howth Yacht Club im Vorort von Dublin.

 

Paradiesische Stadt

Mit der S-Bahn fuhren wir in die City von Dublin. Auch hier drehen sich die Kräne, am Rande der City entsteht moderne Architektur in Glas. Die alte gemütliche Architektur lässt sich rechts und links des Ufers des River Liffey anschauen. Eine Uferstraße heißt übrigens Eden Quay und irgendwie begegnet uns unser paradiesischer Name überall – vom Restaurant bis zum Personalservice! Die wahren paradiesischen Verhältnisse herrschen jedoch im Temple Bar-Viertel. Hier reiht sich Pub an Pub, einer gemütlicher als der andere und schon zur Mittagszeit rappelvoll mit fröhlichen Guinness-Trinkern! Kurzzeitig gehörten wir auch zu diesen, bevor wir uns dann den kulturellen Highlights der Stadt widmeten: das Castle, die City Hall, das Trinity College. Dort begegneten wir dann wieder dem Mönch Columban von der Heiligen Insel Iona. Er hatte die Niederschrift der Evangelien in einem reich verzierten Buch begonnen und nach einen Wikinger-Überfall brachten Mönche das Buch um 800 nach Irland, in den Ort Kells. Das Book of Kells haben in der Schatzkammer der Trinity Bibliothek anschauen und über die Präzision der Schrift und der Ornamentik staunen können.

 

 

Howth, 25.07.2009

 

EDEN liegt trocken

Um 3.30 Uhr klingelte der Wecker und wir legten ab. Nach einer kurzen Fahrt durch den dunklen Hafen machten wir an einem Steg fest, der unter der Wasserlinie eine Betonplatte hat. Jedenfalls zum Zeitpunkt des Hochwassers. Mit allen verfügbaren Leinen banden wir die EDEN vorn und hinten, back- und steuerbord an Steg und Dalben fest. Dann hieß es warten… um 4.39 Uhr knackte es das erste Mal im Furnier, wir saßen mit dem Kiel auf. Langsam senkte sich das Wasser. Komisches Gefühl, wenn die Wasseroberfläche auf einmal tief unten liegt. Nachdem sich das Boot schön an die Dalben gelehnt hatte, legte sich der Käpt´n noch mal in die Koje, um dann halb acht an die Arbeit zu gehen: Kontrolle des Unterwasserschiffs, des Propellers, des Ruders. Dann machte er sich an die Reinigung des Rumpfes.

 

… und noch ist er dabei, während Bordfrau im Salon die Internetseite aktualisiert. Bald wird das Wasser wieder steigen und gegen 14.00 Uhr wird die EDEN wieder schwimmen!


Arklow, 29.07.2009

 

Bierdeckel-Wetter

Kurz und knapp sind die Wetterberichte der irischen Meteorologen. Eingeteilt in nur zwei Gebiete (West- und Südirland sowie West- und Nordirland) gibt’s noch Windstärke und –richtung gleich für 24 Stunden. Passt auf ´nen Bierdeckel. Oder die Wetterfrösche sitzen gleich aus lauter Frust beim Guinness…? Der Wind mag sich irgendwie nie an ihre Vorhersage halten. So auch nicht, als wir mit der wieder schwimmenden EDEN bei Hochwasser den Hafen von Howth verließen. Es kachelte von vorn – woher auch sonst? An sich hatten wir eine Segelnacht geplant, um möglichst viel Süd zu machen… Wir erreichten gerade mal den nächsten Hafen Dun Loaghaire in der Dublin-Bucht. Davor fand gerade eine Regatta statt, auf Vorwindkurs blähten sich die bunten Spi-Segel – immerhin bei 7, in Böen 8 Windstärken!

An einer Mooring-Tonne verschaukelten wir die Nacht bei starker Dünung, um am nächsten Tag wieder mit Ziel Süd aufzubrechen.

 

Kaltbader und Warmduscher

Nach einer Gegenan-Kacheltour mit mindestens 97 (Übertreiben veranschaulicht ja bekanntlich) Wenden liefen wir die kleine Stadt Wicklow an. Im Vorhafen bewegte sich etwas Merkwürdiges… beim genaueren Hinsehen tauchten aus dem Wasser Arme auf, dazwischen Badekappen-Köpfe. Da waren doch tatsächlich badende Iren (oder Irre?) unterwegs! Nachdem wir an der Kaimauer festgemacht hatten, schnaufte es neben der EDEN – ein schnorchelnder Krauler. Schnell das Badefischchen über Bord – es zeigte 13°C an! Wir zogen dann doch eine Dusche an Bord vor.

 

Eingeweht

Hier in Wicklow saßen wir erst mal fest. Der Commodore des örtlichen Segelklubs bestätigte unsere Annahme, was den Wind betraf: Weiter stark aus Süd. Endlich mal Zeit, ausgiebig Bummeln zu gehen – dachte zu mindestens die Capitana. Die Hauptstraße von Wicklow war auch zu allerliebst! Kleine Häuser mit wunderbar alten Geschäftsfassaden, nette Auslagen, buntes Gewimmel, ein Straßencafé, Sonnenschein… perfekt, bis auf den lustlos hinterher schlurfenden Skipper (Kräftigung war auch nicht in Sicht, die Pubs hatten merkwürdigerweise mittags hier noch geschlossen). Schließlich landeten wir dann vor dem städtischen Knast, das hob seine Laune. Schließlich konnte er hier seine aufmüpfige Bordfrau mal in Schellen legen und in der Tretmühle ackern lassen! Recht anschaulich war in diesem Museumsgefängnis die Situation der Gefangenen im 18. und 19. Jahrhundert und deren Transport nach Australien dargestellt.

Da die Westküste auch der Garten Irlands bezeichnet wird, wollte Claudia natürlich auch einen solchen besuchen.  Unter dem Kompromiss: erst Kultur, dann Pub bestiegen wir am nächsten Tag einen Bus, um in das 15 km entfernte Ashford in den Mount Usher Garden zu fahren. Doch nach den ersten Wegbiegungen in dem als Park angelegten Garten erfasste auch Friedrich die Begeisterung und wir machten tatsächlich schon Pläne für die weitere Gestaltung unseres Gartens Eden…  Mit einsetzendem Regen verholten wir uns in den versprochenen Pub an der Bushaltestelle und ließen sogar noch zwei Busse davonfahren.

Wieder zuhause, schnappte sich der Käpt´n den Drachen und stieg auf die Klippenwiese über dem Hafen. Sehr zum Vergnügen der dort freilaufenden Hunde (weniger für ein Frauchen, deren Hund mit Schaum vor dem Maul dem Drachen hinterher jachtete) und der dort tobenden Kinder wurde Friedrich über den Rasen gezogen.

 

Flens-Wetter

Im Büro des Segelklubs stöpselte sich Friedrich ins deutsche Wetternetz. Hier holte er für die nächsten sieben Tage das ausführliche Wetter. Doch auch bei unserem Törn in den nächsten Hafen Arklow hielt sich der Wind nicht so recht an die Vorhersage – es „flens“t wohl auch bei den Hamburger Wetterfröschen?

 

Wie beim Formel I-Boxenstopp

Langsam fuhren wir in die Flussmündung von Arklow ein. Hier sollte es irgendwo Diesel geben. Von einem Kutter aus winkte ein alter Fischer uns in den Fischereihafen. Zahnlos begrüßte er uns fröhlich mit ein paar deutschen Brocken: „Freddy Quinn, Hamburg Altona“ brabbelte er – schließlich hatte er schon mal in Hamburg gearbeitet! Andere Fischer kamen sofort, um uns in der ziemlich starken Strömung beim Anlegen zu helfen. Und es wurden immer mehr… sofort reichte einer Friedrich den Dieselschlauch, der eher für ein Kreuzfahrtschiff geeignet schien, der nächste Claudia den Wasserschlauch, ein Dritter fragte nach weiterem Begehr, der Vierte empfahl ein gutes Dinner … und alle waren begeistert, dass wir von ihrem kleinen Hafen aus nach Spanien aufbrechen wollten…

 

Good bye, Eireann…

Die letzten Handgriffe für den ca. 640 Seemeilen langen Törn getan, hatten wir uns ein letztes Guinness verdient. Über einen alten Fischkutter stiegen wir an Land und schlenderten in Richtung Altstadt. Wieder eine allerliebste Hauptstraße mit vielen Pubs. Einer lockte mit Live-Musik und tatsächlich begann um halb Zehn ein Gitarrenspieler – alles Vorgetragene erinnerte uns sofort an unseren Musikerfreund Silvio. Claudia hüpfte auf ihrem Barhocker mit, Friedrich pfiff vor Begeisterung und der seriöse Wirt hinterm Tresen konnte es nicht fassen, dass wir bei ihm das letzte Guinness vor Spanien tranken. Als wir dann das wirklich das letzte Glas geleert hatten und gehen wollten, stand der Wirt hinter uns, verabschiedete Friedrich mit einer Umarmung, hauchte Claudia einen Kuss auf die Wange und wünschte eine gute Reise. Auch der Musiker verabschiedete uns mitten in seinem Lied – aus einer Eingebung heraus bat Claudia ihn um ein kleines irisches Lied. „Eireann…“ das traurige irische Abschiedslied sang das versammelte Publikum voller Inbrunst mit – Gänsehautstimmung. Mit einem Tränchen im Auge warf Claudia ein Handküsschen dem Musiker zu, eins dem Publikum und unter Befall verließen wir unseren letzten Irish Pub.