Auf der Barfussroute
Auf der Barfussroute
Banjul, 15. 01.2010
Abschied von Gambia
Vor uns lag die Barfussroute – so genannt, weil wir in der nächsten Zeit keine Socken, keine Schuhe brauchen würden. Doch bevor wir starteten, hatte sich die Familie von Ibrahim eine Überraschung für unseren vorletzten Abend in Gambia ausgedacht. Wir wurden zu ihnen nachhause eingeladen und alle Familienmitglieder und Nachbarn sammelten sich im Wohnhof. Nur Ibrahims Mutter ließ sich entschuldigen, da sie mit einer ihrer Töchter auf dem Weg zur Entbindungsstation war. Doch plötzlich tauchte auch sie auf und dann spielten Musikanten auf und der zu besonderen Anlässen gepflegte Brauch, dass eine verkleidete Figur tanzt, wurde zelebriert. Schneller und schneller wurde der Rhythmus und schließlich konnten die Kinder nicht mehr still stehen und tanzten im Kreis, dann auch die Erwachsenen. Die Frauen stimmten in eine Art Wechselgesang mit den Musikanten ein – es war ein Riesenspaß für alle. Für uns „Ehrengäste“, zu denen auch Tom und Susi von der AORAI zählten, wurden sämtliche Sitzmöbel heraus getragen und sofort hatte jeder von uns ein paar Knirpse auf dem Schoß. Die Kinder waren alle so anhänglich, aber besonders ein Mädchen hatte ihre Liebe für Friedrich entdeckt. Die kleine Aisa hatte ihn schon bei unserem Eintreffen an die Hand genommen. Auch wenn er mal ihre Hand los ließ, so griff sie zu seinem Hemdzipfel. Mit ihren großen Kulleraugen und einem versunkenen Lächeln war sie untrennbar von ihm, selbst die Mutter konnte sie weit nach Mitternacht nicht ins Bett locken. Erst als wir gehen wollten, fielen ihr die Augen in Friedrichs Armen zu. Ibrahims Mutter bat uns ins Haus und überreichte uns ganz feierlich eine von ihr extra angefertigte traditionelle Batik und ließ uns wissen, dass wir einen festen Platz in ihrer Familie hätten – und Claudia den einer Tochter in ihrem Herzen!
Uta und Claudia
Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns herzlich von Baba und allen Leuten vom Oyster Creek und während Martin mit Ibrahim das letzte frische Obst besorgen sollte, überführten wir die EDEN nach Banjul, um auszuklarieren. Stunden später trafen Martin und Ibrahim wieder an Bord ein – Martin total aufgekratzt und gerührt. Denn statt sofort den Markt abzuklappern, landete er unter Ibrahims Führung in der Entbindungsstation des deutschen Krankenhauses unter Leitung des Arbeitersamariterbundes. Er fand sich neben einem Brutkasten mit Zwillingen wieder, die zwei Stunden vorher zur Welt gekommen waren – statt eines Babys hatte Ibrahims Schwester Sen Zwillinge bekommen. Martins Aufgabe war es nun, zwei deutsche Namen gut leserlich auf ein Stück Papier zu schreiben: den von Friedrichs Tochter Uta und den von Claudia. Denn gemäß der Tradition erhalten Neugeborene, so gerade Besuch in der Familie weilt, den Namen des Gastes. Und daher gibt es jetzt zwei kleine afrikanische Mädchen Uta und Claudia!
Und obwohl unser Tagesablauf verplant war mit Törnvorbereitungen, entschloss sich Claudia spontan, den beiden Babies und der Familie einen Besuch ab zustatten. Als erstes legte ihr Sen ihre erstgeborene Tochter in den Arm: Klein-Claudi öffnete die großen Augen, schaute ganz lange – fast forschend, um dann ein kleines Grinsen aufzusetzten. Mama Sen war echt beeindruckt, von Claudia ganz zu schweigen. Klein Uta ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und lächelte friedlich schlafend in Claudias Armen. Mögen sie zu wunderbaren, hübschen Mädchen heranwachsen, eine glückliche Kindheit haben und mit Kraft und Mut ihr Leben meistern! Mit diesen Worten verabschiedete sich Claudia - diesmal endgültig von der Familie und Ibrahims Mutter.
Einen gemeinsamen Abschiedsbesuch machten wir aber in Banjul noch: Wir schauten kurz bei Amie vorbei, einer Freundin von Ibrahim, die uns sehr ans Herz gewachsen war. Amie leidet stark unter der Zuckerkrankheit, die in Gambia nicht ausreichend behandelt werden kann. Wochenlang konnte sie nicht aus dem Haus gehen, doch unsere Einladung zur Familien-Bootsfahrt hatte sie angenommen – auch wenn es sie alle Kraft gekostet hatte, sie hat den Tag mit uns und wir mit ihr genossen. Bevor wir uns rührend verabschiedeten, schenkte sie Claudia ein traditionelles gambianisches Kleid!
Der letzte Abend in Afrika
Den wirklich letzten Abend verbrachten wir mit Susi und Tom auf dem Ankerplatz vor Banjul. Auch Ibrahim ließ es sich nicht nehmen, die letzten Stunden mit uns zu verbringen. Bevor wir uns alle trennten, bat Ibrahim, uns gemeinsam an die Hände zu fassen. Feierliche Stille kehrte in unserem Salon ein und dann sprach er ein Gebet in seiner Sprache, bat um eine glückliche Reise für uns!
Banjul, 16.01.2001
Unser Start
Pünktlich um 7.30 Uhr standen Susi und Tom bei uns an Bord, drückten uns ein letztes Mal. Unter lautem Tröten von der AORAI verließen wir den Ankerplatz und winkten so lange, bis ihr Katamaran ganz klitzeklein war. Wir passierten den geschäftigen Strand mit den bunten Fischerbooten, schauten auf die nun vertraute Silhouette von Banjul. Uns spuckte der Gambia River wieder hinaus auf den Atlantik. Unser Ziel: quer rüber auf der kürzesten Strecke von Afrika nach Südamerika!
Atlantiküberquerung
1. Tag
Ganz zart begann der Wind uns auf unsere Reise zu schicken und so setzten wir unseren bauchigen Spi. Ohne Wellen und somit wie auf Schienen glitten wir dahin. Und dann war Ausruhen angesagt. Die Wochen in Gambia waren so intensiv und mit so vielen Erlebnissen angefüllt, die es erst einmal zu verarbeiten gab. Selbst unsere Träume waren davon noch ganz erfüllt. Und wir waren müde, immer nur müde. Rundum musste aber immer einer wach bleiben, um auf Wind, Segel, Kurs und andere Boote aufzupassen. Weit draußen vor der Küste trafen wir immer wieder auf die kleinen bunten Holzboote der Fischer. Vom letzten, das wir im Abendrot passierten, winkten Fischer ganz aufgeregt und wir waren ganz sicher, dass es Fischer vom Oyster Creek waren, die uns tatsächlich erkannt hatten. „I love you, I love you“ riefen sie uns laut und lange hinterher … unser wirklich letzter Eindruck von Gambia.
2.Tag
Wie jeder Sonntag an Bord fing auch dieser mit einem Frühstücksei an. Doch dann war es auch schon mit der Sonntagsidylle vorbei. Putzen war angesagt. Überall – auf und unter Deck, in jeder Ritze, in jedem Spalt, ja auch in jeder unserer Poren saß er, der rotbraune afrikanische Staub. Friedrich und Martin schrubbten an Deck, Claudia putzte im Schiffbauch. Schließlich durfte sich jeder von uns noch eine kurze Dusche gönnen. Sauber und wohlig beschlossen wir den Tag mit einem Sun-downer.
3. Tag
Wie auf Schienen trieben wir weiter über den wellenlosen Atlantik. Doch irgendwann ging dann auch der letzte Windhauch schlafen. Also mussten wir den Motor starten. Doch kurz darauf spürten wir einen Windhauch – also Spi wieder rauf. Dann kam er aus einer anderen Richtung – Spi runter, schiften, wieder rauf. Zwischendurch wieder eine kurze Motorfahrt, um dann den Spi wieder aufzuziehen. Mittlerweile waren Claudia und Martin zu absoluten Profi-Spi-Packern geworden, denn jedes Mal mussten die 130 Quadratmeter Stoff ordentlich in einer kleinen Segeltasche untergebracht werden. Wir vertilgen den letzten Quark, den Friedrich in einem gambianischen Supermarkt entdeckt hatte und nach Einbruch der Dunkelheit hockten wir gemeinsam im Cockpit und lauschen den Hörbuch „Ich bin dann mal eben weg“ von Harpe Kerkerling.
4.Tag
Spi hoch, Spi runter – wir kamen einfach nicht aus der Übung! Noch immer trieben wir dahin. Dennoch kamen wir voran. Gefühlt war es irrsinnig langsam, doch die Etmale (die in 24 Stunden gesegelten Seemeilen) lagen im Durchschnitt bei 110 Meilen. Für eine Törnplanung legt man 100 Meilen pro Tag zu Grunde – und somit lagen wir noch über dem Plan! Durch das geruhsame Segeln (abgesehen von unseren Spi-Manövern) kamen wir gut in den Bordrhythmus – wachen, schlafen, navigieren, kochen, Log- und Tagebuch schreiben, lesen und wieder wachen, schlafen, navigieren….
5.Tag
Noch immer zog uns unser Spi langsam und gemächlich dahin. Noch immer spürten wir nicht den doch so als beständig beschriebenen Passatwind, der mit einer Windstärke von 4-5 in diesen Breiten von Nordost wehen soll. Vorteil: wir hatten keine Welle, wir lagen nicht schräg. Das Bordleben war so einfach wie auf einem Flussankerplatz. Claudia griff zu Eiern, Mehl, Zucker und zauberte einen dicken Kuchen. Und langsam wurde es auch immer wärmer. Vor allen Dingen auch nachts. Man konnte es im T-Shirt aushalten! Nur Martin trug in seiner Nachtwache Strümpfe und Schuhe – und das auf der Barfussroute….
6.Tag
„Heute back ich, morgen brau ich..“, summte Claudia vor sich hin und holte das schon vorsorglich in Banjul gemahlene Schrot aus der Segelkammer. Mit dem Sauerteig knetete sie einen schweren Teig, aus dem sie dann drei knusprige Vollkornbrote buk. Friedrich und Martin machten den Generator flott und schon verfügten wir über ein stabiles 220-Volt-Netz. Die Bohr- und Nähmaschine kamen zum Einsatz und im Ergebnis hatten dann alle Luken ein Gardinchen als Sonnenschutz! Mittlerweile war die Sonne so intensiv geworden, dass wir auf der jeweiligen Sonnenseite Verschattungen anbringen mussten, um unter Deck noch einigermaßen erträgliche Temperaturen zu haben.
7. Tag
Dunkle Wolken zogen auf. Schauer gingen am Horizont nieder. Komisch – eigentlich gibt es solch ein Wetter in dem Passatgebiet nicht. Sollten wir uns etwa schon der intertropischen Konvergenzzone nähern? Normalerweise liegt diese Zone in der Nähe des Äquators und ist durch Schauer und Gewitter sowie durch Schwachwind aus wechselnden Richtungen geprägt. Sie ist in der Nähe von Afrika am breitesten, zwischen dem 29. und 30. Breitengrad am schmalsten. Der Käpt´n hatte geplant, sie rechtwinklig in diesem Bereich zu queren. Doch dort waren wir noch lange nicht! Mitten in unseren Überlegungen schüttete die Wolke über uns ihr Nass aus und fröhlich standen wir an Deck und ließen den kühlenden Regen auf uns fallen.
8.Tag
Der Käpt´n schlug die Glocke und servierte einen kühlen Drink: Bergfest nach Meilen! Wir hatten die Hälfte der knapp 1700 Seemeilen bis zum Südamerikanischen Kontinent hinter uns!
9.Tag
All die letzten Tage zogen wir erfolglos die Angel hinter uns her. Die Bordmänner behaupteten ja des Öfteren, dass wir einen Riesenbiss gehabt hätten. Doch niemals sah die Kapitana einen Fischschwanz in ihrer Pfanne. Offensichtlich sind die kunterbunten Plastikköder nur für kauflustige Hobbyangler gemacht. Fische lieben etwas anderes. In einem der Kochbücher fand Claudia einen Tipp für selbst zubastelnde Köder und spornte ihre Bordjungen an. Im Ergebnis zogen sie dann einen großen langen Silberfisch und einen kleineren Thun an Bord! Dann sah Martin etwas dickes, Knallrotes an uns vorbeischwimmen. Segel runter und per Motor hinterher. Kurze Zeit später waren wir Besitzer eines neuen riesigen Kugelfenders. Und endlich kam der ersehnte Wind! Diesmal aus Südwest! Wind der Südhalbkugel! Sollten wir die gefürchtete Konvergenzzone tatsächlich hinter uns haben? Ohne Gewitter, ohne tagelangen Schwachwind?
10.Tag
Wie an jedem Tag sortierten wir alle unsere Obst- und Gemüsevorräte durch. Bei diesem Klima geht der Verfall ziemlich schnell, wenn man nicht aufpasst. So verbrauchten wir immer erst das was wirklich weg muss. Tomaten, Kohl, Kartoffeln, Möhren, Gurken, Melonen, Kokosnüsse. Dazu gab es frische Radieschenkeimlinge, Kresse und Alfalfa. Doch nun brach die Bananenschwemme an. Unsere Stauden wurden alle zugleich reif. Wir erklärten den Tag als „Tag der Banane“.
Doch dann wurde es immer spannender…. Auf unserem GPS zählte der Breitengrad immer weiter runter. Und dann um 19.18 Uhr Bordzeit leuchtete die Angabe 0° 00.000 auf! Wir hatten den Äquator erreicht! Wir kramten die vorsorglich kalt gestellte Sekt-Flasche raus. Mit einem lauten „Plopp“ flog der Korken in die Nachtluft und wir stießen darauf an, dass wir nun mit dem Kopf nach unten hängend auf der Welt wandelten! Und neben uns schnauften die Delfine. Ein wunderbares Gefühl, dass sie uns auf unseren ersten Meilen auf der Südhalbkugel begleiteten.
11. Tag
Stetig nahm der Wind zu. Doch offensichtlich hatte dies die Regentin des Linienreiches nicht abgehalten, uns zu verfolgen und uns am nächsten Vormittag in Begleitung von Neptun zu besuchen. Ihre Hoheit, Äquarita atlantica erschien höchstpersönlich an Bord und beglückwünschte uns zu unserer geglückten Reise durch ihr Linienreich! Doch zuvor musste sich die männliche Crew einer Befragung stellen. Der Käpt´n etwa, sollte eine der Flaggen identifizieren, doch selbst bei der Hilfestellung, es hätte etwas mit einem seiner Lieblingsgetränke zu tun, kam er nicht auf die Flagge W, wie Whisky. Der Bordjunge konnte nicht mal die Namen der sieben Meere aufzählen… oh, was war Äquarita traurig! Und dann waren die beiden auch noch zu dreckig. Aber Zähneputzen mit Ramazotti und eine zünftige Rasur stellten dann die Regentin zufrieden und so konnte sie dann jedem das begehrte Zertifikat der Äquatorüberquerung überreichen!
12. Tag
Mit gerefften Segeln schossen wir nur so über die Wellen. Riesige Sturmvögel schwebten an unserm Mast vorbei, um kurz darauf ins Wasser zu stoßen und einen Fisch zu erbeuten. Und dann lagen nur noch 66 Meilen, 39 Meilen, 13 Meilen vor uns… und auf einmal waren da am Horizont zwei Zuckerhüte auszumachen! Fernando de Noronha lag vor uns! Auf einmal wurde es ganz hektisch an Bord. Die elektrische Ankerbedienung wurde rausgeholt, jeder zog sich ein neues T-Shirt an, Martin machte das Handy startklar und auf einmal bekam unser Radio Empfang und wir hörten einen einheimischen Sender. Martin rief in Deutschland an und berichtete unsere Ankunft. Nach genau elf Tagen, acht Stunden und 30 Minuten ließen wir unseren Anker auf brasilianischen Meeresboden fallen. Ibrahims Gebet für eine glückliche Überquerung war in Erfüllung gegangen!
Fernando de Noronha, 27.01.2010
Eines der letzten Paradiese
„Ihr müsst dort unbedingt hinfahren, sie ist eine der schönsten Inseln Brasiliens. Ein Paradies, ich verspreche es euch!“ Und wenn das ein Brasilianer sagt, dann muss es wohl stimmen. Sagten wir uns – im Gegensatz zu den Stimmen der restlichen Segelwelt. Allen Ortes hatten uns Segler gesagt, dass man Fernando de Noronha meiden solle. Einfach zu teuer, einfach Abzocke. Doch die Worte unseres Freundes Magnus, der in Natal (auf dem Festland, 300 km von hier entfernt) aufgewachsen ist, ignorieren? Nein. Und so ankern wir tatsächlich vor Noronha. Die Insel zählt zum Weltnaturerbe der Unesco. Unzählige Meeresvögel haben hier ihre Heimat und der Meeresnationalpark um die Inselgruppe bietet Schutz für Schildkröten, Delfine, Haie, verschiedenste Fisch- und Korallenarten. Schon Darwin studierte 1832 die Flora und Fauna der Insel. Auch wir wollen die Insel erkunden, wenn wir uns leider nicht soviel Zeit lassen können, wie einst Darwin.
Fernando de Noronha, 29.01.2009
Insel der Ruhe und Gelassenheit
Wir schienen noch zu träumen - am ersten Morgen drehten nahe von unserem Schiffchen Duzende von Delfinen Pirouetten über der Wasseroberfläche. Aber auch nach dem Augenreiben waren sie noch da! Wir kramten unser zusammengelegtes Schlauchboot aus einer der Hundekojen raus, bauten es auf und machten als erstes die obligatorischen Besuche bei Ankernachbarn – einer Schweizer Yacht und der Amerikanischen von Joyce und Rick. Die beiden, die schon mit uns im Oyster Creek geankert hatten und mit denen wir ins neue Jahr gefeiert haben, waren einige Stunden vor uns angekommen. Von ihnen erhielten wir die Info, dass die ersten drei Tage Ankern frei wären und mit einem Augenzwinkern erklärten sie uns, dass sie die Hafenbehörden nicht gefunden hatten. Und wir fanden sie auch nicht – dafür einen kleinen Kiosk der Touristeninformation, wo uns eine fröhliche Brasilianerin namens Lucie in Empfang nahm, uns Geld für den Bus gab und gleich dem Busfahrer vertickte, uns an der Bank rauszusetzten. Klappte auch alles prima und wir fanden uns in einem kleinen Städtchen hoch auf den Klippen wieder. Nach einem Klippenspaziergang trafen wir Joyce und Rick und ließen uns unter großen Bäumen mit Blick auf einen traumhaften Paradiesstrand zu unserem ersten brasilianischen Bier nieder. Danach stiegen wir hinauf zum Fort und konnten unser stolzes Schiffchen auf dem Ankerplatz bewundern. Als wir wieder zurück im kleinen Hafen waren, sahen wir Fischern zu, die am Strand Haie mit Fischresten fütterten. Mit den Brandungswellen kamen sie ganz dicht heran, darüber schwebten riesige Seevögel, die versuchten, etwas Fisch zu ergattern. Und auf den Steinen balancierten zahlreiche Katzen, immer den Wellen ausweichend und hoffend, auch einen Fischschwanz abzukriegen.
Am nächsten Tag stiegen wir in den Inselbus und fuhren bis zur Endhaltestelle, die in einer weißen Bucht lag. Dort nahmen wir unser erstes Bad – genial sich einfach treiben zu lassen, zu planschen und nach Meeresschildkröten Ausschau zu halten, leider ohne Erfolg. Einige Leute hatten sicher mehr Glück, denn sie waren mit Schnorcheln und Brille unterwegs. Der Bus brachte uns zurück am klitzekleinen Inselflugplatz vorbei und durch Straßen, an denen bunt gestrichene kleine Pensionen lagen. Die ganze Insel ist komplett auf Urlaub eingestellt und strahlt eine unwahrscheinliche Ruhe und Gelassenheit aus. Ja, Fernando de Noronha ist wirklich ein kleines Paradies und ein Urlaubstraum für viele Brasilianer. Aber wie es überall auf der Welt ist, hat diese Exklusivität auch seinen Preis. Dennoch fanden wir mit unserer Freiluftbar unter den hohen Bäumen ein erschwingliches Plätzchen und genossen einen in Bananenblättern frisch gegrillten Fisch samt Maniok, Salat und Reis – hmmm, lecker!
Letzte Etappe
Eigentlich hätten wir dort noch ein bisschen bleiben können, irgendwie steckte uns die aufregende Zeit in Gambia und die letzten schaukligen Tage auf dem Atlantik noch in den Knochen. Aber unsere drei Ankertage näherten sich dem Ende und wir wollten nicht die Aufmerksamkeit der Marineros (die uns aber immer sehr nett grüßten) erregen. Mit geschonter Bordkasse (normalerweise kostet eine Ankernacht wohl umgerechnet 60 €!) starteten wir zum letzten Stück unserer Barfussroute. Nur noch 200 Seemeilen bis Natal!