Kanarische Inseln



Lanzarote

Arrecife, 08.10.2009

Hurra, wir sind auf den Kanaren
Die Europäische Union hatte uns wieder. Nach einem Zweieinhalb-tage-Törn leuchtete uns auf dem Vulkanberg oberhalb der Inselhauptstadt Arrecife dass blaugelbe Logo von Ikea entgegen. Wir ließen den Anker im kleinen Fischereihafen fallen und holten uns unseren Einreisestempel bei der örtlichen Polizei. Ein bisschen war es wie „Nach-Hause-Kommen“ (nicht nur wegen der bekannten Logo´s), weil uns die Kanarischen Inseln von mehreren früheren Besuchen vertraut sind. Jetzt wollen wir in den nächsten Wochen ein bisschen Luft holen, Besuch aus Deutschland empfangen und uns und die EDEN auf die nächste Etappe vorbereiten.


Auf den Spuren von Cécar Manrique
Mit dem Luftholen war zwar so eine Idee…, aber als wir uns ein Auto mieteten um mal eben um Lanzarote zu gondeln, waren wir um die Ruhe gebracht. Claudia saß nach einem fast halben Jahr Autoabstinenz quietschvergnügt hinter dem Steuer und brauste durch die Serpentinen. Und dann gibt es ja auf der kargen Vulkaninsel auch einiges zu sehen - Verdienst von Cécar Manrique. Der in Arrecife 1919 geborene Architekt und Künstler (gestorben 1992) nahm die Natur von Lanzarote und gestaltete sie einfühlsam. Ob es der „Jadin de Cactus“, der Kakteengarten in der vulkanischen Landschaft ist oder die „Jameos del Agua“, riesige Vulkanhöhlen mit einem unterirdischen See, Aussichtspunkte, Windspiele inmitten von Kreisverkehren – seine Handschrift ist auf der gesamten Insel unverkennbar. Dabei überließ er nichts dem Zufall: vom spektakulären Eingang, an dem sich Räume so öffnen, dass wir als Besucher erst mal mit offnem Mund überwältigt stehen blieben bis hin zum künstlerisch gestalteten Hinweisschild für die Sanitärräume. Dabei hinterlässt die Gesamtgestaltung bei uns ein Gefühl der Harmonie und des Wohlfühlens, der Leichtigkeit und Fröhlichkeit, obwohl alle Objekte in der kargen, lebensfremden Lava-Landschaft  stehen und aus schwarzem Vulkangestein bestehen. Am meisten beeindruckte uns aber das ehemalige Wohnhaus Manriques. Auf fünf Lavablasen baute er ein Haus im traditionellen Stil der Insel. Die Lavablasen, die nach oben eine Öffnung haben, nutzte er als Wohnräume, in denen Palmen und Feigenbäume in den Himmel wachsen. In einer Höhle ist Pool, Grillplatz, Tanzfläche, Bar untergebracht. Eigentlich hätten wir dort sofort einziehen können!

 
Zwischen Feuer und Wasser
Doch uns zog es noch in die Montanas del Fuego, in die Feuerberge. Die beeindruckende Kraterlandschaft ist bei den Vulkanausbrüchen 1730 bis 1736 entstanden und ist als Nationalpark Timanfaya geschützt. Dort gibt es geothermische Anomalien, ungewöhnliche unterirdische Temperaturen, die bis an die Oberfläche dringen und es möglich machen, dass die Restaurantküche ihre Hähnchen auf einem Erdwärmerost grillt! Und natürlich wurde Grillküche samt Restaurant und auch der „diablo“, der kleine Feuerteufel, Wahrzeichen des Nationalparks von nur einem gestaltet: Cécar Manrique. Beeindruckt fuhren wir über die Insel und entdeckten auf einmal riesige Kuhlen in der schwarzen Lava-Asche, manchmal mit kleinen halbrunden Vulkansteinmauern umgeben. Auf dem Boden dieser Kuhlen kuschelte sich jeweils eine Weinranke! An einem der Weingüter hielten wir an, erfuhren, dass die Pflanzen ausschließlich von der Morgenfeuchtigkeit leben (es regnet dort nie) und erstanden zwei Flaschen dieses edlen Rebensaftes. Die Verkäuferin erzählte uns noch, dass ihr Vater Besitzer der kleinen vor gelagerten Insel Alegranca sei und die schauten wir uns vom nördlichen Aussichtspunkt „Mirador del Rio“ (entworfen von keinem Anderen als Manrique!) an und hatten auch einen wunderbaren Blick auf La Graciosa, dem Geheimtipp für Segler – der keiner mehr ist, sieht man die Massen an Booten im Hafen und der Ankerbucht. Ein Geheimtipp scheint aber der Strand am nordöstlichen Ufer der Insel zu sein. Weißer Saharasand bedeckt die Lava, nur ab und an schauen schwarze Vulkansteine heraus. Und auf einmal befinden wir uns mitten im Fotoshooting sich verrenkender Models im Goldmini…
 
 
Fuerteventura
 
Coralejo, 13.10.2009
 
Ein Himmelreich für eine Waschmaschine!
Die zweieinhalb Tage auf Lanzarote waren angefüllt mit Erlebnissen – wie immer war jeder Tag wie drei… und so starteten wir nach gefühlten sieben Tagen doch etwas erschöpft Richtung Fuerteventura. Wir hatten uns für den Hafen Coralejo entschieden, weil wir unbedingt Wasser brauchten, um Tanks zu füllen und Wäsche und Boot zu reinigen. Den ganzen Vormittag war Claudia mit dem Rubbeln und Wringen von Bettwäsche, Handtüchern, dicken Klamotten (damit wir sie dann sauber ganz weit nach unten stauen konnten) beschäftigt, Friedrich mit dem versalzenen Deck, Bilge, Backskisten… und keine Waschmaschine in Sicht, weder für Wäsche, noch für ein Boot (müsste doch längst erfunden sein – für Autos gibt´s doch auch welche!) Als alles sauber und trocken war, verließen wir am Abend den Hafen, ohne nur einen Fuß auf die Insel gesetzt zu haben. Doch nun drückte die Zeit – wir mussten nach Gran Canaria! Schließlich hatten wir dort einen wichtigen Termin am 16. Oktober!
 
 
Gran Canaria
 
Arguineguin, 16.10.2009
 
Spi-Füchse
Auf unserer Überfahrt von Fuerteventura nach Gran Canaria zeigt sich der Atlantik wieder von seiner zahmen Seite (warum hatte er uns nur so garstig vor Irland begrüßt?) und wir setzten unseren Spinnacker. Mittlerweile haben wir uns super eingefuchst und haben das große Tuch binnen kürzester Zeit oben, obwohl viele Schritte dazu nötig sind, damit es flüssig nach oben gleiten kann und sich nicht zu einem „Stundenglas“ vertütert. Erst im Morgengrauen nahmen wir den Spi wieder runter. Auch das klappt inzwischen perfekt, ohne dass der riesige Stoffberg ins Wasser taucht. Dann mussten nur noch die 130 m² in die Segeltasche gepackt werden, dass sie wieder beim nächsten Gebrauch ungehindert ausrauschen können. Als wir fertig waren, ging die Sonne auf und der Betrieb der Ferienflieger los. Wie ein Hornissenschwarm kreisten startende und landende Flugzeuge über unserem Mast. Übermorgen würden auch wir auf dem Flughafen stehen!
 
Wie vor neun Jahren
Unser Anker fiel vor der Hafenmauer von Arguineguin auf den Grund und mit dem Schlauchboot brachte Friedrich eine Heckleine an Land aus. Genau wie vor neun Jahren lagen wir mit Blick auf die Hotelbucht Anfi del Mar und auf Teneriffa und den Teide, Spaniens höchsten Berg. Doch so richtig hatten wir noch keinen Nerv für unsere Umgebung. Jetzt hieß es erst einmal Boot umorganisieren. Jedes Ding, jede Kleidung stauten wir neu. Eine Hundekoje machten wir komplett frei, in der anderen einen Schlafplatz. Alles strahlte in neuer Ordnung … und sauber. Selbst das Unterwasserschiff nahm sich Friedrich, ausgerüstet mit Taucherbrille und Topfkratzschwamm vor! Wir könnten glatt den Goldenen-Buddelbürsten-Preis von Käpt´n Blaubär gewonnen haben! Dann erstrahlten auch wir gebügelt und geschniegelt und verließen unser Schiffchen, um mit dem Bus zum Flughafen zu fahren.

Arguineguin, 18.10.2001

 Herbstferien im Sommer-Sonnenschein
Am Flughafen überpünktlich angekommen, sagte uns die Anzeige, dass der Flug aus Madrid Verspätung hat. Wir sahen schon schwarz: Susanne und Klaus kamen nach Schottland mit 24 Stunden Verspätung an Bord. Doch wir hatten diesmal Glück, es waren nur 20 Minuten. Dann ging die Schiebetür an Gate A auf, ein Wagen wurde heraus geschoben und oben auf dem Gepäckberg flogen zwei Ärmchen auseinander: Marlene hatte ihren Opapa entdeckt! Dahinter kamen gleich Kathrin und Thomas. Alle drei werden nun die Herbstferien bei uns im Sommer-Sonnenschein verbringen. Marlene schwamm auch gleich mal im Atlantikwasser rund um das Boot, spielte mit Opapa Friedrich Schach, aber ihre Lieblingsbeschäftigung ist Angeln, auch wenn die Fische offensichtlich auch Ferien machen… 

Sahara-Dünen
Unseren ersten Ausflug machten wir zu den Sanddünen von Maspalomas. Die riesigen verwehten gelben Sandberge vor der zerklüfteten schwarzen Vulkanbergkulisse sahen irgendwie unwirklich aus. Und eigentlich stammt der Sand auch nicht von dieser Insel sondern wurde mit Ostwinden von der Sahara hergetragen. Toller Ort zum Sandlatschen, Drachensteigen, Wellenbaden und Faulenzen. Auf dem Rückweg trennen sich unsere Wege. Während der männliche Teil der Crew schnurstracks dem Ankerplatz entgegenstrebte, durften die drei Damen nach Herzenslust in Maspalomas bummeln gehen! Mit einer neuen Badehose für den Skipper und einer supercoolen Sonnenbrille für Marlene ging´s zurück an Bord, wo inzwischen alle technische Ausrüstung, die unser Bootsjunge Martin mitgeschickt hatte, installiert war. Mit ganz besonderem Stolz betrachteten wir den neuen Windgenerator, der mit ganz leisen Flügeln für einen eisgekühlten Weiswein sorgte! Die Krönung des Tages war dann das Käpt´ns Dinner bei Pellkartoffeln und „Ersatzquark“.

 

 Puerto de Mogan, 19.10.2001

 Der erste Atlantik-Törn
Das war jedenfalls für Marlene, Kathrin und Thomas die Segeltour von Arguineguine nach Puerto de Mogan. Immer dicht an der Küste entlang steuerte Marlene bei Sonnenschein und leichter Briese. An unserem Ankerplatz vor dem ehemaligen Fischerdorf und heutigen Supertouristenhafen holte Opapa die für Marlene neu erstandenen Angel raus und dann saßen alle gespannt an der Reling. Und auf einmal ein zartes Stimmchen: „Ein Fisch, ich habe einen Fisch!“ Mit gemeinsamen Kräften zogen Marlene, Papa und Opapa an der Angel und siehe da, ein richtig großer Fisch war an der Angel. Nun erwachte das Jagdfieber auch bei den Männern…. Ohne Erfolg. Opapa hatte dennoch richtig Glück. Er durfte die lecker gebratene Brasse mit Marlene teilen!

 
„Ja, das ist doch die Claudia…“
Die LUCIE hatten wir im Hafen von Mogan schon entdeckt, doch nach den Eignern Elke, Helmut und Esther hielten wir noch Ausschau. Und dann hörten wir Elke´s Stimme – nach so langen Jahren hatte sie Claudia sofort erkannt, obwohl sie nicht wusste, dass wir jemals wieder auf den Kanaren auftauchen würden. Wir freuten uns so über das Wiedersehen, hatten wir doch damals einige Wochen gemeinsam auf La Gomera verbracht. Und während wir in Erinnerungen schwelgten, hatte Marlene mit Esther eine Spielfreundin gefunden. Gründe genug, unseren für den nächsten Tag geplanten Törn nach Teneriffa zu verschieben.

 
Teneriffa

San Miguel, 23.10.2009

 Zwischen den Inseln
Ein wenig traurig waren wir schon, dass wir uns von den LUCIE-anern so schnell wieder trennen mussten. Doch mit der festen Verabredung für ein Treffen in der kommenden Woche machten wir uns auf den Weg nach Teneriffa. Der größte Wunsch von Marlene war nämlich der Besuch eines Vulkans.  Und diesen Wunsch wollte Opapa zu ihrem Geburtstag erfüllen. Was eignet sich da besser als die Mondlandschaft unterhalb des Teide? Und so schipperten wir bei strahlend blauem Himmel Richtung Westen. Zur großen Freude aller entdeckten wir fliegende Fische und Delfine, die sich vor unserem Bug tummelten. Als vor Los Christianos die Pilotwale in unserer Nähe auftauchten, war Marlenes Glück perfekt. Von ihnen wollte sie träumen - in der Nacht zu ihrem Geburtstag.


San Miguel, 25.10.2009

Geburtstags-Marathon
Sieben Kerzen pustete Marlene auf ihrem Geburtstagskuchen aus, dann starteten wir zu unserer Fahrt zum Vulkan. Die Serpentinen führten uns in den großen Krater von Teneriffa, dessen Lava-Mondlandschaft und zur Seilbahn, die hinauf zum Pico del Teide fährt. Kathrin, Thomas und Marlene überwanden  in der Gondel die letzten Höhenmeter, um unterhalb des Gipfels einen Rundblick zu den anderen Insel zu machen und Vulkansteine zu sammeln. Wir hatten vor einigen Jahren zu Fuß den 3718 Meter hohen Berg erwandert und blieben daher in der Seilbahnstation zurück und ließen den durchaus anspruchsvollen Aufstieg bei einer Weinschorle Revue passieren. Nachdem eine begeisterte Marlene vom Berg zurück war, führte uns unsere Inseltour in den Norden. Dort erlebten wir tatsächlich Regen und eine wunderbar grüne Landschaft. Über die zerklüfteten Berge des Westteils, über gewundene enge Straßen ging unser Weg durch die Masca-Schlucht und den Hafen von Los Gigantes zurück zu unserem Boot. Dort wurde noch ein Geburtstagswunsch erfüllt: Eierkuchen zum Abendessen! Kaum war der Abwasch geschafft, als es schon auf Mitternacht zuging und wir gleich in den nächsten Geburtstag reinrutschten. Der Käpt´n bekam sein Ständchen bei einem Glas Sekt. Und dann äußerte er seinen Geburtstagswunsch: Eine Bergtour zu den Märchensteinen des Paisaje Lunar. Gesagt, getan. Nach dem Frühstück schnappten wir Rucksack und Wanderschuhe und kraxelten zu den märchenhaften weißen Bimssteinformationen, die zwischen strahlend blauem Himmel und grünen Pinien wie aus einer anderen Welt wirkten.

Spritztour nach Santa Cruz
Fröhlich, wenn auch ein bisschen geschafft (was ein Jubilar seinen Partygästen nicht alles zumutet…) kam unsere Geburtstagswandergesellschaft zurück an Bord. Aber gleich starteten wir zu neuen Aktivitäten. Per Mietwagen legten wir die 65 km nach Santa Cruz zurück, um Ellen mal eben in die Arme zu nehmen und das geliehene Marokko-Segelbuch zurück zu geben. Ellen und Frank hatten wir an der Algarve getroffen und sie gaben uns nicht nur ihr Buch, sondern auch viele hilfreiche Tipps für unseren spontanen Gibraltar-Marokko-Törn. Inzwischen waren auch sie mit ihrem Schiffchen auf Teneriffa gelandet und die Wiedersehensfreude war groß. Gleichzeitig war es aber auch ein Abschied. Unsere Segelwege werden sich hier trennen. Doch die allerbesten Wünsche begleiten sie wie auch uns. Und auch wenn wir uns jetzt aus den Augen verlieren, so nicht aus dem Sinn. Und außerdem gibt es ja noch das Internet!

Gran Canaria

 Anfi del Mar, 30.10.2009

 Wieder auf Gran Canaria
Rasend schnell vergingen die letzten Tage mit unserer Feriencrew. Nachdem wir bei leichten Winden die Überfahrt von Teneriffa nach Gran Canaria hinter uns gebracht hatten, warfen wir den Anker wieder vor dem Hafen von Mogan und luden die Crew der LUCIE zu einem Segeltörn in die Hotelbucht Anfi del Mar ein. So hatte Marlene Spielgefährten und wir Zeit, mit Elke und Helmut zu plauschen. An den nächsten Tagen nutzten wir die Annehmlichkeiten des riesigen Hotelkomplexes mit seinem weißen Strand, dessen weicher Sand eigens von den Bahamas hergeschippert wurde. Marlene genoss das Planschen in der Poollandschaft im zehnten Geschoß, Opapa das kühle Bier an der dortigen Bar mit Gratis-Blick auf unser tief unten ankerndes Schiffchen. 

Auch die schönsten Ferien haben ein Ende
Der letzte Ferien-Abend wurde mit der Magic-Show des Hotels gekrönt und nach einer ganz kurzen Nacht klingelte der Wecker noch im Dunklen. Rasch luden wir Taschen, Rucksäcke, warme Daunenjacken in das Schlauchboot und brachten alles an den Strand. Noch Bahama-Sand zwischen den Zehen, zog unsere Feriencrew Socken und dicke Schuhe an und war so gut für die Rückkehr ins kalte Deutschland gerüstet. Pünktlich erreichten wir die Hotel-Bushaltestelle. Eine kurze Umarmung, dicke Küsschen für den Weg und schon saßen Marlene, Kathrin und Thomas im Bus zum Flughafen und winkten hinter der Scheibe zum Abschied. Zwei Wochen Herbstferien im Sommer-Sonnenschein waren zu Ende.

Teneriffa
 
San Miguel, 08.11.2009
 
Soviel Wind wie noch nie
Auch für uns waren nach der Abreise unserer drei Gäste die Ferien zu Ende, der Alltag kehrte ein und damit auch die Bordroutine: Putzen, Basteln, Ersatzteile besorgen und und und…. Die Ankerbucht von Anfi del Mar war dazu wie geschaffen. Zu Landgängen lockt sie nicht so richtig, aber sie ist schwellfrei und damit lag unser Boot recht ruhig. Abwechslung brachten gegenseitige Besuche bei unseren Ankernachbarn, einem österreichisch-brasilianischem Paar. Wir bekamen nicht nur gute Tipps und Karten für Brasilien, sondern auch den ersten temperamentvollen Sprachunterricht in brasilianisch – mit Händen und Füßen und viel Lachen! Dann hieß es Abschiednehmen und wir verlegten uns noch mal vor den Hafen Puerto de Mogan. Dort gingen wir in ein Chinarestaurant, in dem wir für wenig Geld das Buffet plünderten: von der scharfen Suppe über knusprige Ente und dicken Eisbecher bis nichts mehr rein ging! Am Vormittag setzten wir Segel und ließen uns auf der windabgewandten Seite von Gran Canaria entlang treiben. Doch weit draußen sahen wir schon die weißen Schaumkämme der Wellen. Also refften wir kurz bevor wir sie erreichten und damit aus dem Windschatten der Insel kamen. Bekannt ist, dass zwischen den beiden hohen Inseln Gran Canaria und Teneriffa die Luftmassen zusammengedrückt und beschleunigt werden und dadurch die so genannte Düse entsteht, in der die Windgeschwindigkeiten wesentlich höher als vor den Inseln sind. Doch diesmal erwischte uns diese Düse richtig und aus den vorhergesagten 25 Knoten wurden dann 40, 45 und in Spitzen gar 53 Knoten. Soviel Wind hatten wir während unserer gesamten Segelei noch nie auf See erlebt. Reffen, reffen, reffen bis nur noch Zipfelchen von Segeltuch standen. So schafften wir den Weg von Gran Canaria nach Teneriffa bei schönstem Sonnenschein, aber mit regelmäßigen Wellenduschen, wenn die Gischt über das Deck wehte. An ein Ankern vor Teneriffa war gar nicht zu denken und so liefen wir kurz vor Sonnenuntergang in der uns schon bekannten Marina San Miguel ein.
 
Purer Luxus
Als erstes stürmten wir die Dusche der Marina, um Salz von Haut und Haaren zu bekommen und um wieder schön warm zu werden. Es ist kaum zu glauben, wie man eine einfache Dusche genießen kann! Warmes Wasser aus Wand, so lange man will – Luxus pur! Gerade, als wir uns in unsere Koje verholen wollten, klingelte das Handy. Torsten von der TARAS wollte eben mal wissen, wo wir denn seien. Nachdem Claudia ihm erklärte, in welcher Marina wir angekommen waren, meinte er ganz trocken: „Dann komm ich gleich mal auf ein Bier!“ Zwei Minuten später war er bei uns an Bord und berichtete uns vom Starkwindtörn der TARAS, die nur ein paar Stunden vor uns hier im Hafen eingelaufen war!
 

San Miguel, 11.11.2009

Mama an Bord
Als das Wochenende vorbei war, gelang es uns tatsächlich ein Mietauto zu ergattern. Das auf unserer Überfahrt etwas lädierte Segel und  aufgerissene Sprayhoud im Kofferraum gings zunächst zum Flughafen, dann zum Segelmacher. Am Flughafen luden wir Mama Elli ein, in der Werkstatt das Segel aus. Auspacken war dann auch an Bord angesagt. Aus dem großen Koffer kamen die schönsten Weihnachtsleckereien zu Tage. Lebkuchen von Tante Eva, selbstgebackene Plätzchen von Elke und Esther. Vollkornbrot, Gummibärchen, Schokolade, Weihnachtsmänner und Engelchen - die Mitbringsel und Überraschungen türmten sich auf unserem Salontisch. Und auf einmal wurde uns bewusst, dass die Adventszeit nicht mehr weit ist. Für uns hier mitten in blühenden Landschaften, bei Sommertemperaturen absolut unwirklich!
Am Abend des 9. November saßen wir bei einer Flasche Sekt mit Kathrin und Torsten zusammen und jeder erzählte, wie er den Abend vor 20 Jahren verbracht hat. Dieser Tag ist jedem von uns so gut in Erinnerung und wir stießen auf den Mauerfall an und freuten uns, dass wir durch ihn hier und jetzt auf Teneriffa saßen und Sekt tranken!

Ausflug in den Regen
Am nächsten Morgen starteten wir alle gemeinsam, Dank des Mietwagenverleihers, der uns statt eines Mini´s einen Kleinbus vors Boot gestellt hatte, zu einem Ausflug ins Anaga-Gebirge. Ganz anders als die Mondlandschaft um den Teide ist der nordöstliche Teil der Insel zerklüftet, grün und mit kleinen Bergdörfern gesprenkelt. Und plötzlich fing es an zu regnen, die Temperatur sank auf 16° C. Grund genug, anzuhalten, auszusteigen und kräftig durch zu atmen, lachend nass zu werden! Schließlich hatten wir unseren letzten Regen Anfang August in La Coruna erlebt.

Närrische Zeit
Verrückt, aber wir hatten nicht mal Zeit um 11.11 Uhr in einen Pfannkuchen zu beißen. Stattdessen kämpften wir uns zum dritten Mal mit einem Riesen-Einkaufswagen durch das Sortiment eines Hiperdino-Supermarktes. „Bunkern“ heißt es in Seglersprache, wenn man den Arm tief ins Regal steckt, einmal durchzieht und die Packungen in den Wagen krachen lässt. Zwei Duzend Rollen Klopapier; 20 Dosen Thun, 20 mit Corned Beef und Mortadella; Kiloweise Mehl, Reis, Nudeln, Milchpulver; Literflaschen mit Duschbad, Essig, Öl; Streichhölzer, Zwieback, Rum. Wieder und wieder liefen wir durch die endlosen Regalreihen und strichen die bereits ergatterten Sachen von unserer fünfseitigen Einkaufsliste. Dank Mietwagen war der Weg bis zur Marina einfach, doch dann begann die Schlepperei. Alles mussten wir bis zum Steg, vom Steg auf ein hohes Boot, vom hohen Boot auf unser niedriges Deck, vom Deck in die Kajüte reichen. Dort konnten wir uns kaum noch drehen – wo sollten wir das nur stauen? Und dabei waren erst zwei Seiten Liste abgehakt… also noch mal los zum Hiperdino, schließlich hatten wir den Luxus eines Autos nicht ewig.
 

Playa de Masca, 14.11.2009

In der Schlucht der Schmuggler
Irgendwie hatten wir all unsere Reichtümer in Kisten und Kasten verstaut, da legten wir ab, um uns auf Schmugglerpfade zu begeben. Spannend war es allemal, die Bucht zu finden. Zwischen den Bergmassiven, die sich steil mehrere hundert Meter aus dem Meer erheben, fanden wir dann den kleinen Strand mit ein paar Palmen und einem winzigen Anlegesteg, dahinter die gigantische Masca-Schlucht. Keine Straße, kein Weg führt zu dieser Bucht, nur mit einer mehr als zweistündigen Klettertour die Schlucht hinauf, ist das Bergdorf Masca zu erreichen. Wirklich ein idealer Platz für Schmuggler – und heutzutage für Piratenboote. Eines davon lag neben uns vor Anker und die zahlreichen, zahlenden Tagespiraten planschten im klaren Wasser.  Doch dann waren wieder alle an Bord, der Anker wurde aufgeholt und der Fäkalientank abgelassen. Lange waren diese Umweltpiraten weg, aber wir wurden von den Hinterlassenschaften umspült, die Lust auf ein Abendbad war gründlich vermiest. Aber wir waren ganz allein in der Bucht und über den dunklen Felsen ging ein strahlender Sternenhimmel auf. Nur von La Gomera grüßte ein einsamer Leuchtturm.
Am Morgen setzten wir an Land über und kletterten in einem trockenen Flussbett hoch hinauf in die Masca-Schlucht, während Mama Elli das Boot hütete. Pünktlich zum Eintreffen der Tourie-Piraten waren wir zurück und lichteten den Anker. Echte Schmuggler meiden ja bekanntlich Menschenmassen!


San Miguel, 16.11.2009

In der Bucht der Hippies
Den Tipp hatten wir vor vielen Jahren von unserem Oranienburger Fünf-Sterne-Gärtner erhalten: Mitten in der gnadenlos mit Hotels bebauten Südküste Teneriffas gibt es eine Natur-Bucht mit Höhlen. Einst von Hippies besetzt, leben hier offensichtlich nur noch sporadisch Leute. Einige sahen wir auf ihrem Höhlenweg. Darüber leuchtete ein grünes Areal: Golfplatz! Komisch – auch im marokkanischen Hippiedorf von Jimi Hendrix wird jetzt Golf gespielt. Entweder hatten sich die Hippies wirklich die schönsten Plätze der Welt gesucht, die jetzt durch die Golfindustrie entdeckt werden oder sind gar die Hippies mittlerweile im Golfalter und kommen an ihre Plätze zurück, sozusagen „back to the roots“? Wir sind jedenfalls nach neun Jahren auch wieder hier gelandet und genossen die Landschaft mit Blick auf den Teide, die tosenden Gischt an den Felsen und die Brandung am Strand.

Stunt mit rauschendem Beifall
Wir ließen unser Schlauchboot zu Wasser und ruderten zum Land hinüber, immer mit der Brandung im Auge. Als wir meinten, jetzt sei eine Wellenpause, drehten wir in Richtung Strand, um anzulanden. Schon sahen wir uns glücklich und trocken bei einem Landspaziergang, da baute sich eine gigantische Welle auf, die sich exakt über uns brach. Wir flogen samt Schlauchboot in die Luft, machten einen kompletten Salto mit dem Ergebnis, dass zwar das Boot wieder richtig herum schwamm, wir aber daneben wie in einer Waschmaschine herumwirbelten. Gleichzeitig ging am Strand, an dem eine Menge junger Leute ihre Zelte aufgeschlagen hatten, ein Begeisterungsschrei in rauschenden Applaus über. So jedenfalls berichtete Mama Elli über unseren Stunt, den sie sicher vom Boot aus beobachtet hatte. Wir jedenfalls tauchten verdutzt aus der schäumenden Brandung auf und konnten uns vor Lachen kaum halten! Unter den fröhlichen Blicken der Strandcamper machten wir im Wetlook unseren Landspaziergang. Übrigens folgte uns Hochachtung, als wir es später ohne Salto mortale durch die Brandung zur EDEN zurück schafften!

Abschied
Schnell war die Mama-Besuchs-Woche vorbei und wir brachten sie bei strahlendem Sonnenschein zum Flughafen. Für uns nicht vorstellbar, dass sie ein paar Stunden später im grauen, kalten November landen würde. Dass die Adventszeit vor der Tür steht, konnten wir dann aber bei unserem Teneriffa-Hauptstadt-Besuch unschwer erkennen. Über der Einkaufsmeile hingen gläserne Eiszapfen und „Feliz Fiestas“-Leuchtschriften, in Auslagen Weihnachtsmänner aus Stoff und Schokolade. Uns war es dann eher nach einem Schokoladeneis, schließlich zeigte das Straßenthermometer 28 °C. Und dann machten wir uns noch einmal auf zum Bunkern – Arm ins Regal, durchziehen, klatsch in den Wagen…

 

San Miguel, 21.11.2009

 

Arbeitswoche

Die letzten Tage waren mit Arbeit angefüllt. Wieder einmal nahmen wir uns jede Kammer, jedes Fach, jede Kiste vor. Alles Technische unterlag einem Check, Verschleißteile tauschten wir aus. Das reparierte Segel schlugen wir wieder an. Für das Schlauchboot nähten wir ein „Sonnenmäntelchen“, auf dass es nicht von der intensiven Sonne aufgelöst wird. Reis, Müsli, Salz füllten wir in leere Wasserflaschen, um es vor  Feuchtigkeit und eventuellem Schädlingsbefall zu schützen. Alles Eingekaufte wurde von überflüssigem Verpackungsmüll befreit, dabei füllten wir nahezu den halben Hafencontainer. Blitzartig verging Tag für Tag. Schließlich richteten wir die Hundekoje für unseren Bootsjungen, stellten ein Bier kalt und schauten in den Himmel.

 

Unser Bootsjunge

Und siehe da, pünktlich um 12.00 Uhr steuerte eine Air-Berlin-Maschine auf unseren Hafen zu und setzte kurz dahinter zur Landung an – mit Martin an Bord. Davon waren wir jedenfalls überzeugt. Doch satt Martin meldetet sich nach Stunden das Handy mit Grüßen aus Malaga! Wir sahen uns schon tagelang auf unseren Bootsjungen warten - doch irgendwann am Nachmittag stand der ganz aufgekratzte Martin tatsächlich auf dem Steg. Wir versorgten ihn erst mal mit einem Bier und er erzählte uns von seiner Not-Zwischenlandung in Malaga, von allen Neuigkeiten in Eden, von Schweinepest und Kreditkartenskandal. Dann bezog Martin sein neues Zuhause für die nächsten drei Monate.

 

Auf zu den Kap Verden

Unsere To-do-Liste wird langsam kürzer. Noch ein paar Restarbeiten, Bunkern von Obst und Gemüse, dann wollen wir Anfang der Woche zu unserem 840 Seemeilen langen Törn zu den Kap Verden starten. Schon haben wir Kontakt zu den TO- Stützpunktleitern auf Sao Nicolao und Maio aufgenommen. In ihren Mails weckten sie unsere Neugier und Freude auf ihre Inseln. . Bald werden wir sie mit eigenen Augen sehen!