Richtung Norden
Kopenhagen, 27. Mai 2009
Auf geht´s
Die letzte Brücke, die Rügendammbrücke haben wir auf unserer Fahrt von Neuhof nach Stralsund hinter uns gelassen. Früh um 8.20 öffnete sie ihre große Klappe und gab uns damit die Ostsee frei.
Doch bevor es wirklich raus ging, machten wir im Stadthafen von Stralsund fest – einen sonntäglichen Bummel hatten wir uns nach der vielen Arbeit verdient! Am späten Nachmittag hieß es „Auf geht´s“. Zunächst durch die Engen zwischen Festland, Rügen und Hiddensee bis Barhöft. Hier trafen wir uns auf ein endgültiges Abschiedsbier mit Sylvia und Dirk, die in der Nähe wohnen. Winkend standen die beiden auf dem Steg, bis wir sie in der Abenddämmerung nicht mehr ausmachen konnten.
Dann fiel unser Anker ins Wasser und nach kurzem Schlaf machten wir uns auf. Sonnenschein und günstiger Wind garantierte eine wundervolle Überquerung der Ostsee. Wie auf Schienen stürmte die EDEN mit 8 Knoten durch das Wasser nach Mön.
On the Sunny Side
Am nächsten Morgen weckte der Käpt´n schon um 5 Uhr. Lohn war der Blick auf die Kreidefelsen, von der Morgensonne angestrahlt. Wieder mit Rauschefahrt waren wir schon am zeitigen Nachmittag in Kopenhagen. Bei Sonnenschein genossen wir die Einfahrt in die Stadt, vorbei an der kleinen Meerjungfrau, die recht unscheinbar auf ihrem Stein am Ufer sitzt und nur durch den Touristenauflauf auszumachen war. Das neue Opernhaus mit dem scheinbar schwebenden Dach ließt Friedrichs Architektenherz höher schlagen und schon waren wir mitten in der Altstadt. Wir ergatterten eine Liegeplatz gleich am Nyhavn. Hier findet sich Kneipe neben Kneipe, schlendernde Touries und plaudernde Kopenhagener. Vorrangig sitzen letztere mit Mitgebrachtem am Kai und genießen die wärmende Sonne. Beim Anblick der Bierpreise holten wir uns ein Picknick von Bord und ließen uns zwischen den Einheimischen nieder und fühlten uns auf der Sonnenseite… und wir saßen auch tatsächlich davor, die Kneipe hieß „Sunny Side“.
Natürlich bummelten wir auch durch die Stadt: Schloss Amalienborg stand genauso wie die Friderikskirche auf dem Besichtigungsprogramm. Nach einem heftigen Gewitterguss zog es uns durch das nächtliche Kopenhagen bis zur Meerjungfrau, die einsam und ohne Tourieauflauf auf ihrem Stein saß.
Heute zwingt uns der Wind zu einer Pause. Zu stark und aus der falschen Richtung, nicht´s um weiter nach Norden zu segeln. Aber bei dem Ambiente um uns herum keine Strafe!
Einfahrt Limfjord 30.05.09
Besenstiel-Währungsrechner
Kopenhagen - einen besseren Ausgangspunkt für unseren Start in die Meere des Nordens hätten wir wirklich nicht haben können. Nicht nur die Atmosphäre der Stadt hat uns gefallen, auch die entspannten, netten Leute werden wir in Erinnerung behalten. So durften wir einfach in einem Laden mit unserem Laptop ins Internet (Big thanks for using internet!), um das neuste Segelwetter und unsere Mails abzurufen. Und dann haben wir endlich einen Holzstiel für unseren Schrubber bekommen – den hatten wir zuhause vergessen. Der Preis von 60 Kronen hat uns beeindruckt – fast 10 €. Und weil dieser Preis sehr eingängig war, dient er uns nun in Dänemark als Währungsrechner: Wie viele Brötchen kriegen wir für einen Besenstiel, wie viele Stiele kostet der Eintritt ins Tivoli?
Für´s Tivoli waren es einfach zu viele, dann doch lieber eine Ausstellung über moderne dänische Architektur - an diesem Tage sogar gratis!
Frl. Adamski
Ab Kopenhagen wehte uns der Wind aus nordöstlicher Richtung entgegen und so blieben wir auf der dänischen Seite des Sundes. Nach einer Windwarnung warfen wir den Anker kurz vor Helsingör und überstanden das über uns her ziehende Tief auf ziemlich schaukelnder Weise.
Schloss Helsingör öffnete uns die Einfahrt ins Kattegat. Bei moderaten Winden und guter Fahrt steuerten wir den Limfjord zügig an. Das heißt, wir steuerten nicht, sondern Fräulein Adamski. Sie ist unsere neue Helferin an Bord und heißt bei anderen Seglern Windfahnensteuerung. Zuhause schon vormontiert, nahm sie der Käpt´n nun in Betrieb und seit der Taufzeremonie ist er in heller Begeisterung. Frl. Adamski arbeitet still und zuverlässig und trinkt kein Bier…
Querfeldein
Zugegebenermaßen wussten wir nicht viel über den Limfjord, als unsere Segelfreunde Dagmar und Klaus im Winter erzählten, dass sie über diesen dänischen Wasserweg in die Nordsee wollen. Nun haben wir den Limfjord erreicht. Dieser Fjord führt vom Städtchen Hals am Kattegat durch Jütland bis nach Thyborön an der Nordsee.
Da der Wind auch weiterhin aus nördlichen Richtungen kommt, werden wir uns nun auf eine Querfeldeintour begeben, wo er uns nicht stören wird.
Insel Livö im Limfjord, 02.06.09
Perle des Limfjords
Von Tonne zu Tonne führte unser Weg ins Innere Dänemarks. Aufmerksamkeit ist unerlässlich, da neben dem Fahrwasser die Tiefen recht schnell nachlassen. Auf den Seekarten ist ablesbar, dass auch die großen Wasserflächen manchmal nur 20 cm tief sind. Diese großen Bodden werden von Landengen abgelöst, die durch Brücke miteinander verbunden sind. Die Dänen lieben den Segelsport und so öffnen sich alle Brücken mindestens ein Mal pro Stunde. Wir hatten Glück und konnten immer zügig passieren, obwohl an den Pfingsttagen offensichtlich die Hälfte der 5,2 Millionen Dänen zu Wasser auf dem Limfjord unterwegs zu sein schienen… Als sich der Trubel am späten Pfingstmontag legte, entdeckten wir eine Insel, die uns zum Erkunden lockte. Also Ruder rum und zurück zum Inselhafen. Dort legte gerade die letzte Fähre ab und eine ungemeine Stille war um uns. Wanderschuhe an und schon waren wir auf der Inselumrundung. Obwohl wir erst um 19 Uhr losgingen, kamen wir nach 2,5 Stunden im hellen Sonnenschein zurück. Nachts wird es schon gar nicht mehr richtig dunkel.
Die im Hafen als Perle des Limfjords gepriesene Insel Livö macht ihrem Werbespruch alle Ehre. Wiesen, Felder, Heide, Märchenwald, alte Gutshäuser, ein „Köbman“-Laden und als wir noch einen Hinweis auf Hans Christian Andersen fanden (leider auf dänisch), war unsere Illusion der Märcheninsel perfekt. Und wir entschlossen uns, noch einen Tag zu bleiben. Für einen märchenhaften Waschtag!
Auf die Nordsee können wir eh nicht raus – Wettervorhersage für die nächsten Tage: NW 6-7. Der kommt genau daher, wo wir hinwollen!
Thyborön, 05.06.2009
Tiri tara, die Post ist da!
Die frische Wäsche im Schap verstaut, verließen wir am nächsten Morgen Livö und segelten geradewegs nach Nyköbing. In dieser kleinen Stadt fanden wir eine wunderbare Bibliothek, außen altes Gemäuer, innen hochmodern. Die freundlichen Mitarbeiterinnen gaben uns ein Passwort und schon waren wir im Internet. Als erstes aktualisierten wir unsere Internetseite und dann luden wir die vielen Mails runter. Schließlich erreichten wir noch Mama Elli per skype – allerdings auf den Stufen vor der Bibliothek, wir wollten die Leseruhe nicht stören. Zurück an Bord, durchstöberten wir erstmal unseren dickgefüllten Postkasten. Wir freuten uns über die vielen Grüße, über die Reaktionen auf unsere bisherigen Berichte, über die Tipps für Angelreviere und Sehenswertes auf unserer Route.
Wann wird es endlich wieder Sommer…?
Von Nyköbing führte uns der Weg zur Insel Jedingö, wo wir ankernd die Nacht verbrachten und weiter nach Thyborön. Zunächst angezogen wie für einen Abfahrtslauf in den Alpen, fielen komplett die Hüllen als die Sonne kam und der Wind ging. Dicke Wolken zwangen uns schnell wieder ins Ölzeug und schließlich hatten wir dicke Eiskörner im Cockpit.
Am Ende des Limfjords
Nun sind wir in Thyborön, dem Hafen am Ausgang des Limfjords. Hinter uns liegen 1.700 Quadratkilometer Wasserfläche mit fast 100 Inseln. Wir legten rund 100 Seemeilen im Fjord zurück und fuhren über einem Tunnel hinweg und unter einer Brücke durch, drei Brücken wurden für uns hochgezogen. Und wie einst schon die Wikinger, die am Limfjord vor 1500 Jahren siedelten, warten wir nun auf den richtigen Wind, um auf die Nordsee zu fahren.
Bis dahin erkunden wir noch Thyborön und werden wir mit deutscher Geschichte konfrontiert: in den Kriegsjahren waren in dem einstigen Fischerdörfchen fast 1000 deutsche Soldaten stationiert. Die dicht an dicht liegenden Bunker mussten die Dänen in Zwangsarbeit errichten. Noch heute sind die Bunker stumme Zeitzeugen am Strand. An der dänischen Küste sind es 6000!
Heute ist Thyborön ein Zentrum des Fischhandels mit einer modernen Auktionshalle. Die Auktionen finden aber erst ab Juli statt – bleibt uns nur ein Blick von außen! Dafür können wir einen Blick ins Sneglehuset (Schneckenhaus) werfen, das über und über mit Schnecken und Muscheln von seinem einstigen Besitzer, einem Fischer namens Alfred Pedersen, dekoriert wurde.
Und jetzt lässt der Wind nach. Zwar kommt er immer noch aus Nordwest, aber bei einer 3-4 können wir auch gegen an kreuzen. Also werden wir mittags die letzen Dänenkronen am Fischimbiss verprassen und dann die Leinen los werfen …