Im Reich der Wale
Rio de Janeiro, 20.08.2010
Abschied nicht leicht gemacht
das kann ja nun wirklich nicht wahr sein, dass wir uns nicht zusammentelefonieren können. In jedem Fall: Ich lass Euch natürlich nicht einfach so wegsegeln, ohne Wiedersehen!!“ Wir hatten versucht, Manfred, den wir Ostern bei unserer Wanderung auf Ilha Grande getroffen hatten und der in Rio lebt aber einst am Lehnitzsee schwimmen lernte, anzurufen – doch ohne Erfolg. Aber bei so einer Mail konnten wir wirklich noch nicht los und auf eine Stunde kommt es ja beim Segeln auch nicht an. Und so fuhren wir hinein in die Bucht unter dem Zuckerhut, ließen den Anker fallen und fuhren mit dem Dinghi zu den winkenden Armen, die sich für eine große Umarmung öffneten. Da standen Manfred und seine Tochter Brenda, die wir sofort auf die EDEN entführten. Diese wundervolle Stunde, bei dem wir gemeinsam den Sonnenuntergang und das langsame Aufleuchten Rio´s Lichter erlebten, machte uns den Abschied richtig schwer… Zu gern hätten wir mehr Zeit mit Manfred und Brenda verbracht und ihre Stadt mit ihnen erkundet. „Das nächste Mal…“, mit diesem Trost rissen wir uns los.
Vitoria, 24.08.2010
Wechselnde Winde
Eine leichte Brise schob uns am Zuckerhut vorbei, über dem das Kreuz des Südens trotz hellem Mondenschein leuchtete. Der hell angestrahlte Christo schwebte scheinbar über der Stadt und schaute uns lange hinterher. Wir kuschelten uns im Cockpit aneinander und genossen die kleiner und kleiner werdenden Lichter von Rio de Janeiro. Doch dann hingen die Segel schlaff herab – Zeit den Motor zu starten. Irgendwann konnten wir wieder segeln, am nächsten Vormittag hatten wir das perfekte Spi-Wetter. Raus mit dem riesigen Tuch und schon heizten wir über das recht ruhige Wasser über dem sich ein tadellos blauer Himmel erstreckte. Am Cabo Frio kreuzten Delphine unseren Kurs. Solch große Tiere hatten wir bisher noch nie gesehen. Neugierig begleiteten sie uns ein Stück, bis sie wieder ihrem eigenen Kurs folgten. Doch in der nächsten Nacht drehte der Wind, kam von vorn. Und das wesentlich kräftiger als vorhergesagt. Daher beschlossen wir, den nächstmöglichen Hafen anzulaufen, um das aktuelle Wetter abzurufen. Wir mussten nun zum schon sehr nah geglaubten Vitoria (Oh, was freuten wir uns schon auf ein Mittagessen im Yachtclub!) kreuzen. Einem Schlag in Richtung Ufer folgt dann ein Holeschlag in Richtung Meer, der uns immer ein kleines Stück wieder zurückfallen ließ. Kreuzen braucht die dreifache Strecke und die dreifache Zeit. (So schafften wir es nicht mal zum Abendessen) Zu allem Pech herrschte bei unserer nächtlichen Ankunft gerade Niedrigwasser und vor dem Club steckten wir im Mud. Anker raus und rein in die Koje!
Weiter gegenan
Kaum aufgewacht, enterten wir den Yachtclub und starrten auf den Bildschirm unseres Computers: Keine südlichen Winde in Sicht während des gesamten Vorhersagezeitraums. Wir schauten uns beide an: Mindestens eine Woche Vitoria oder gar noch länger? Schaffen wir bei 15 Knoten Gegenwind zu kreuzen? Aus einem Mund kam von uns beiden: Lass es uns versuchen! Also kurz in die Stadt, um Gemüsekiste und Tauchflasche aufzufüllen. Und der Käpt´n strahlte glücklich. Nachdem wir nun das Cabo Frio, das Kalte Kap umrundet und den nächsten Bundesstaat Esprito Santo erreicht hatten, wurde es tatsächlich merklich wärmer – zur unheimlichen Freude des Käpt´ns, der gar nicht wusste, wohin er seinen Blick zuerst werfen sollte: Die auffällig vielen jungen, wohlproportionierten Frauen von Vitoria hatten ihre Sommergarderobe herausgeholt – kurz, knapp, knackig. Aber beschlossen ist beschlossen, also nichts wie weiter.
Abrolhos, 29.08.2010
Gegen Strom und Wind
Nach unserem Start in Vitoria genossen wir einen wunderschönen Segeltag. Die Sonne schien, der Wind blähte unsere Segel, wir rauschten über die glatte See, nur ab und an taten ein paar Handschläge bei einer Wende not. Als die Sonne dann unterging, das ernüchternde Ergebnis. Wir hatten tatsächlich Vitoria mit acht Meilen hinter uns gelassen. Ja, gleich hinter uns sahen wir die Lichter des rieseigen Hafens und die markanten Berge der Stadt. Nicht nur, dass wir gegen den Wind segelten, nein, ein kräftiger Strom schob uns immer wieder zurück. Da bräuchten wir zehn Tage zum nächsten Ziel. Just in diesem Moment nahm der Wind auch noch kräftig zu, 30 Knoten zeigte das Messgerät in den Spitzen. Fragend schauten wir uns an: Umkehren? In Vitoria könnten wir in einer reichlichen Stunde im Yachtclub ein Bier trinken. Eine gemütliche Woche Vitoria gegen nun sehr ungemütliches Segeln? Was tun? Doch wir waren uns einig: So schnell geben wir nicht auf! Wir setzen uns eine Zeit bis zum Morgen, dann könnten wir immer noch umdrehen. Und so quälten wir uns weiter unserem Ziel entgegen.
Im Reich der Wale
Wir waren auf dem Weg zum Inselarchipel Abrolhos, den wir schon im März besucht hatten. Doch diesmal waren wir auf der Spur der riesigen Buckelwale, die normalerweise in der Antarktis zuhause sind. Zwischen Juli und September kommen sie aber in die warmen Gewässer bis hinauf nach Salvador, um ihre Jungen zu bekommen. Bis zu 19 Meter werden diese Meeressäuger lang, 30 Tonnen schwer. Unsere EDEN hat gerade mal eine Länge von knapp 13 Meter und wiegt beladen elf Tonnen. „Hilfe“, sprach Claudia zum Käpt´n „erinnerst Du Dich, vor Jahren verliebte sich mal an einem deutschen Stadtteich ein Schwan in ein schwanenförmiges Tretboot – stell Dir vor, ein Wal entbrennt in erdrückender Liebe zu unserem Schiffchen…“. Ja, Buckelwale sollen recht neugierig sein und zu Schiffen kommen – einst ihr großes Verhängnis, da sie zu tausenden getötet wurden. Es gab Zeiten, wo nicht ein einziger Wal an dieser Küste gesichtet wurde. Doch nun stehen sie unter strengem Schutz. Ob wir wohl einen dieser Giganten zu sehen bekämen?
Ein Schrei im Morgengrauen
Claudia trat ihre Wache um vier Uhr morgens an, der Wind war wieder auf 15 Knoten und wir hatten tatsächlich schon 35 Seemeilen zwischen uns und Vitoria gebracht. Gegen fünf hellte sich der Horizont im Osten auf. Claudia schaute auf das Stück leuchtenden Streifen zwischen Meer und dem Wolkenband und sah im Gegenlicht Geysire. Übermüdung, was sonst, dachte sie, bis auf einmal Wasser am Horizont wie nach einer Detonation weiß gen Himmel flog. Plötzlich - erhob sich ein gigantischer schwarzer Körper aus dem Wasser und klatschte wuchtig auf die Meeresoberfläche und brachte sie zum Stieben. „Friiiiiiiiiiiiiiedrich, Wa.., Wa… Wale…“ Ihr blieben die Worte im Halse stecken (was ja nicht so sehr häufig vorkommt!). Aufgeregt zeigte sie nach vorn, an die Seiten und just in diesem Moment tauchte gelassen ein Buckel zehn Meter hinter unserem Schiffchen auf und wieder ab. Gleich darauf prusteten synchron zwei der riesigen Wale in unserem Kielwasser. Etwas weiter entfernt erhob sich mächtig eine große Flunke gen Himmel – was für ein Anblick! Die Sonne strahlte mittlerweile am tiefblauen Himmel, der sich wie eine Kuppel über die Wasserscheibe wölbte und uns die Illusion gab, in einer Manege zu sein – wir als Publikum mitten im Zentrum. Um uns herum die Akteure: platschende, buckelnde und flunkernde Wale. Dann schwebten zwei uralte Meeresschildkröten ganz dicht an unserem Boot vorbei, in einer Größe, die wir noch nie gesehen hatten, ihre Panzer waren knapp eineinhalb Meter im Durchmesser, ihre Köpfe dicker als die des Käpt´ns (will ja auch schon was heißen!). Und dann der Pausenclown: Neben unserer Bordwand brach ein schillernder Schwertfisch durch die Wasseroberfläche, drehte sich im Fluge und landete auf dem Rücken, um sofort wieder zum Sprung in die Luft anzusetzen und wieder auf dem Rücken zu landen. Er hörte gar nicht mehr auf mit seiner Aufführung, wieder und wieder zeigte er seinen langen spitzen Schnabel und den in der Sonne hell leuchtenden Bauch. Vor Begeisterung klatschte Claudia in die Hände! Dieser Zirkus der Tiere endete erst in der Dämmerung.
Nicht geflunkert!
In der nächsten Morgendämmerung riss sich Bordfrau die Stöpsel ihres Hörbuchkrimis aus den Ohren – komisch, neben der Vorleserstimme waren da plötzlich andere Geräusche. Als ob in einem Nachbarboot jubelnde Schreie ertönten, doch dann tauchte gleich hinten am Heck ein mächtiger schwarzer Buckel auf. Hatte sie da einen Walgesang belauschen können? Singen sie nicht aus Liebe? Hoffentlich nicht zu unserem Schiffchen… prustend schwamm der Wal mit uns, zog dann aber gelassen von dannen. In der folgenden Nacht gab´s ein neues Stelldichein. Friedrich sah querab einen gigantischen Körper im Mondlicht glänzen, der gerade dabei war, einen Buckel zu machen, um unter unserem Boot durch zu tauchen, Er glitt ganz dicht an der Bordwand in die Tiefe und dann erhob sich seine große Flunke zum Abschied.
Wal zum Frühstück
Der Archipel, bestehend aus fünf kleinen Inselchen und umgeben von mächtigen Riffen ist mit einem Leuchtturm gekrönt. Seinen Schein konnten wir am Abend entdecken und die Freude war riesig, dass wir es tatsächlich schon gleich gegen Wind und Strom zu unserem Ziel geschafft hatten. Doch der Wind drehte wieder ungünstig und wir kreuzten die ganze Nacht auf das Licht zu, mussten sogar an ihm vorbei um dann mit dem letzten Kreuzschlag die Einfahrt in die Inselbucht zu erreichen. Unter dem im Morgenlicht erloschenen Leuchtturm machten wir an einer Mooring neben einer einsam schaukelnden französischen Segelyacht fest. Wir kramten gleich die Schnorchelausrüstung heraus und sprangen in die klaren Fluten. Friedrich sah als erstes nach dem Unterwasserschiff und war sofort von bunt gestreiften Fischchen umgeben. Claudia schwamm zum nahen Felsufer und schaute begeistert auf die kullerrunden Korallen, die wie riesige Kanonenkugeln verstreut lagen. Fische in allen Größen, Farben und Formen umgaben sie. Lustig, dass jeder einen anderen Gesichtsausdruck hatte: einer schaute griesgrämig mit vorgeschobenem Unterkiefer, ein anderer gab sich würdig und erhaben. Der nächste lugte mit offenem Maul staunend nach oben zur Schnorchlerin. Nach diesem Vergnügen wartete aber erst mal Arbeit: alle klamm gewordenen Sachen mussten in die Sonne, Brot und Kuchen mussten gebacken, der Schiffsboden vom Unterwassergarten befreit werden. Schorchelnd und tauchend kratzen wir mit dem Spachtel Algen und Pocken ab, popelten Ansaugöffnungen und Auslässe frei. Nach getaner Arbeit beschlossen wir, noch einen Tag hier zu verbringen. Als wir am anderen Morgen bei selbstgebackenen Brötchen und dem letzten Klecks von Tante Evas Himbeermarmelade saßen, kam grüßend ein Wal vorbeigeschwommen.
Salvador, 03.09.2010
Nachtexpress
1730Anker auf, Fahrt nach Sicht um die Inselspitze
Kurs 003°, Speed 6,4 kn, Wind 13 kn, ca. 1 kn Gegenstrom
2100 Wir fliegen! Wind 18 kn, Speed durchs Wasser zeitweise über 8 kn, Speed Over Ground 7,6 kn
Der Käp´tn war in Hochstimmung, wenn er seine Eintragungen ins Logbuch machte und die zurückgelegten Meilen errechnete. Unser Schiffchen preschte bei Mondschein durch die Nacht. Nur die vielen Fischerboote zwangen es zum zeitweisen Abweichen vom Kurs, um ihnen gebührlich auszuweichen. Gen Morgen fuhren wir unter eine Wolkenschicht, die Schauerböen trieben unser Schiffchen durch die aufgewühlte See.
Segel im Klo
Bei dem zunehmenden Wind hatten wir die Genua, das große Vorsegel, mit der kleineren Fock getauscht. Als das Schauergebiet durchgezogen war, wechselten wir wieder zurück. Friedrich stand gerade vorn auf dem Bug, um nach der Segelstellung zu schauen, als Claudia nach vorn rief, dass er mal nach oben schauen sollte, die Genua schiene nicht durchgesetzt – und just in diesem Moment kam das Segel ganz langsam herunter, rutschte in der Nut des Vorstages hinab über die Reeling ins Wasser. Wie durch ein Wunder ging in diesem Moment der Wind ganz weg und die Fahrt ließ nach, so dass wir zwar mit Mühe, aber problemlos das schwere Tuch an Bord hieven konnten. Als wir den Segelkopf eingefangen hatten, sahen wir die Ursache: Der Schäkel war gebrochen, kein großes Problem. Nur das Fall war hoch oben und einer musste in den Mast, um es herunter zu holen, um es mit einem neuen Schäkel auszurüsten. Bei der Schaukelei in der meterhohen Dünung nicht unbedingt angeraten und so zogen wir wieder unsere Fock hoch. In diesem Moment frischte der Wind auf und wir hatten damit genau die richtige Besegelung. Die salzwassernasse Genua hatten wir so gut es ging auf dem Vorschiff zu einem dicken Packet zusammengerollt, unter Deck gehievt und in die achterliche Toilettenkabine gestopft, wo sie bis zu unserem nächsten Ziel Salvador vor sich hintropfte.
Nao, Nao..
Mit wütenden Nein-Rufen verscheute uns ein Marinero als Claudia gerade mit der Leine auf den Steg der Marina springen wollte, keiner dürfe anlegen, die Plätze seien nur für teilnehmende Boote einer Regatta. Nur für 10 Minuten um Wasser zu tanken, rief sie zurück, doch der aufgebrachte Mann ließ ihr keine Chance und Friedrich brach das Anlegemanöver ab. Das lebenswichtige Wasser wird normalerweise keinem Segler verwehrt. Auch an der schwimmenden Tankstelle war kein Wasser erhältlich. Also Kurs auf die nächste Marina. Hier wurden wir von einem Schlauchboot in Empfang genommen, zum Steg geleitet, die Marineros nahmen die Leinen entgegen, wir wurden englischsprachig durch die Marina geführt, bekamen Restaurants, Duschen, Computerraum gezeigt, Fragen nach Hilfeleistungen wurden gestellt. Natürlich hatte dies alles seinen Preis – wir waren im exklusivsten Yachtclub Bahias gelandet, gespickt mit Super-Segel- und Motoryachten und ständig wuselndem Personal. Nao, nein danke, antworteten wir freundlich, wir bräuchten keine Hilfe - unser heruntergekommenes Segel konnten wir allein reparieren.
Tage voller Arbeit
Die Annehmlichkeiten der Marina links liegen lassend, machten wir uns an die Arbeit. Zuerst kümmerten wir uns um die Genua, dann nahmen wir alle Arbeiten, zu denen wir Wasser brauchten, in Angriff. Waschfrau wusch alle warmen Sachen wie Socken, Pullover, Skianzüge, um sie dann endgültig weit weg zu stauen, Schrubbermann nahm sich die versalzenen Teppiche vor, brachte Böden, Bilge und Deck zum glänzen. Am nächsten Tag lagen die Arbeiten an, für die wir Strom benötigten: Näherin flickte die eingerissene Srayhood, besserte Klamotten aus, Handwerker bohrte und schraubte. Dann huckten wir die Rucksäcke, um einen Supermarkt zu finden.
Hütten und Paläste
Der Weg führte uns aus der supermodernen Marina hinaus in ein höher gelegenes Stadtviertel. Verfallene Häuser, bewohnte Ruinen säumten die Straße. Nicht minder verfallene Menschen begegneten uns, bis wir auf einen Platz gelangten, der mit kleinen Geschäftchen umsäumt, mit Obstständen zugestellt war. Dazwischen wuselten Autos, Mopeds, Menschen. Ein Gewimmel aller Hautfarben – ganz anders als im Süden Brasiliens, der durch Europäer besiedelt wurde, zeigen sich hier die Einflüsse der einst als Sklaven hergeschafften Afrikaner. Eine Gasse war voll gestellt mit Plastiktischen und Stühlen, Bier und Speisen wurden angeboten. Wir liefen vorbei und erreichten eine betriebsame Einkaufsstraße, ein Einkaufszentrum, in dem die prächtigsten Ball- und Hochzeitskleider verkauft wurden. Davor lagen in Lumpen gehüllt schlafende menschliche Häufchen. Diese trafen wir gar vor dem ganz frisch restaurierten Palast Rio Bravo im Stadtteil Pelourinho an, dem wir am nächsten Tag einen Besuch abstatteten. Auf einem Platz hielt ein Politiker gerade eine Wahlveranstaltung ab, seine Wahlkämpfer feierten ihn mit Karnevalstimmung. Auf unserem Weg zur Marina liefen wir wieder an Wohnruinen entlang, schlängelten uns an geparkten Politikerautos vorbei, die in einem superchicen Meeresblick-Restaurant unter Ausschluss der hungernden Wählenden speisten.
Eingeholt und überholt
Um gebührend Abschied von Salvador zu nehmen, setzten wir uns auf die Terrasse des Mercado Modelo, einer Markthalle, vollgestopft mit touristenherzerfreuenden Krimskrams. Dort blickten wir versonnen auf die Bucht, auf ankernde Frachter, die Insel Itaparica, den wuseligen Vorplatz des Fährenterminals, auf Fischerbötchen und die uns verwehrte Marina. Plötzlich schrie Claudia auf: „Guck mal, da unten liegt die SCHIPPING, und da geht gerade jemand von Bord – ja es ist Aurora!“ kam auf die Markthalle zu, Claudia rannte die Treppen hinunter und stand vor der verdutzen Aurora. Wir hatten die Argentinierin im April auf unserem Weg nach Süden in Rio Grande kennengelernt – sie war nach Norden unterwegs. Jetzt hatten wir sie eingeholt und wir würden sie noch an diesem Tage überholen, da wir beschlossen hatten, abends loszusegeln. Wir verabredeten uns unter herzlichem Lachen mal ganz locker in der Karibik!
Maceió, 06.09.2010
Rodeo
„Mein Gott, dieses Boot ist wie eine bockige Kuh“, stöhnte der Skipper und verglich die Schiffsbewegungen mit denen der Rodeo-Stiere, die auf Jahrmärkten die aufsitzenden Vergnügungssüchtigen mit unkontrollierten Bewegungen zum Herunterfallen zwingen. Bockig, aber schnell erreichten wir Maceió.
Ausschau nach roten Fledermausflügeln
Eigentlich gab es keinen Grund, in Maceió nochmals Halt zu machen. Wir ankerten ja im Februar schon einmal hier, um unseren Mitsegler Hercules abzusetzen. Doch die geschützte Hafenbucht liegt in der Mitte zwischen Salvador und Jacaré, wo Susi und Tom mit ihrem Katamaran AORAI zeitgleich gestartet waren und uns nun entgegensegelten. Wir hatten Maceió als Treffpunkt vorgeschlagen. Ob wir uns wohl treffen würden oder etwa aneinander vorbeisegelten, war unsere bange Frage. Während Claudia Reiseberichte schrieb, Fotos sortierte, den am Vortag gefangenen Fisch briet, Papaya-Cocos-Cachaca-Marmelade kochte, einen weißen Rumtopf ansetzte und Friedrich den Motor wartete, Batterien pflegte, das Schlauchboot nähte, Kartoffeln schälte, seine lockeren Schrauben an Deck nachzog, eine halbe Flasche Spülmittel verschüttete und fröhlich war, schauten wir immer wieder zum Horizont: Wann tauchen sie auf, die roten fledermausartigen Dschunkensegel?